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Kommentar zum TV-Duell zur Niedersachsenwahl: Nicht gerade mitreißend

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Landtagswahl Niedersachsen - TV-Duell
Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (l, SPD) und CDU-Spitzenkandidat Bernd Althusmann (r) stehen am 10.10.2017 mit Moderator Andreas Cichowicz kurz vor Beginn der TV-Sendung «NDR aktuell Wahl - Das Duell» in einem TV-Studio in Hannover (Niedersachsen). Am 15. Oktober 2017 findet in Niedersachsen die Landtagswahl statt. Foto: Julian Stratenschulte/dpa © picture alliance / Julian Strate

Kurz vor der Landtagswahl in Niedersachsen traten Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) und CDU-Spitzenkandidat Bernd Althusmann zum TV-Duell an. Der eine hatte nichts Neues zu sagen, der andere war auch nicht gerade mitreißend, kommentiert Felix Gutschmidt.

Über Bernd Althusmann lässt sich vieles sagen. Ein Mann der Offensive ist er nicht. Im Duell mit Ministerpräsident Stephan Weil versucht der CDU-Herausforderer zwar noch mal, Rot-Grün im Allgemeinen und den SPD-Spitzenkandidaten im Speziellen zu attackieren. Er hat sogar die Krawatte abgelegt, um besonders kämpferisch daherzukommen, aber glaubwürdig ist das nicht. Zu formelhaft sind seine Aussagen. Ob Koalitionsfrage, Bildungspolitik oder innere Sicherheit: Da gab es nichts Neues. Nichts, was der Wähler nicht schon gehört oder gelesen hatte.

Und Weil? Auch nicht gerade mitreißend. Statt den politischen Gegner mit einem überraschenden Coup in Bedrängnis zu bringen, pariert er routiniert Althusmanns Attacken. Aber im Gegensatz zum Herausforderer muss der Ministerpräsident auch nicht angreifen. Als Amtsinhaber ist Weil automatisch in der Defensive. Außerdem spielt die Zeit für ihn. Seit Wochen steigen die Werte der SPD. Weil weiß das, und lässt es sein Gegenüber spüren. Sein Auftreten grenzt mitunter an Arroganz. Das ist schwer auszuhalten, vor allem für Althusmann.

Unter dem Strich ist das TV-Duell ein Abbild der vergangenen viereinhalb Jahre im Parlament. Der Opposition ist es nie gelungen, die Schwächen dieser Regierung aufzuzeigen. Ein unsäglicher Untersuchungsausschuss zur Sicherheitspolitik, eine lächerliche Vergabeaffäre oder der peinliche Versuch, den Ministerpräsidenten wegen Einflussnahme des VW-Konzerns in die Ecke zu drängen, der schnell zum Eigentor wurde: Die CDU hat sich zu viel mit Lappalien aufgehalten, statt sich konsequent am Lehrermangel, der umstrittenen grünen Agrarpolitik oder dem zunehmenden Ärztemangel abzuarbeiten. Das reicht für ein paar Schlagzeilen. Für einen Ministerpräsidenten Althusmann reicht es nicht.

Von Felix Gutschmidt

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