Tibor Pézsa: "Sehr schlechte Show"

Kommentar zum TV-Duell Schulz vs. Juncker: Nervtötende Dauerwerbesendung

Von Tibor Pézsa, Leiter der HNA-Politikredaktion. E-Mail: tpa@hna.de

Der große Showdown blieb in der Fernseh-Diskussion zwischen Martin Schulz, Spitzenkandidat der Sozialdemokraten für die Europawahl, und Jean-Claude Juncker, Kandidat der Konservativen, aus. Ein Kommentar von Tibor Pézsa, Leiter der HNA-Nachrichtenredaktion.

Wenn dieser denkwürdige ZDF-Abend ein "Duell" gewesen sein soll, dann waren die Studiogäste ein lustiger Chor, der in Endlosschleife jubelte: Freude, schöner Götterfunken, Tochter aus Elysium!

Doch das Gegenteil fand statt. Die Mienen der Studiogäste zerbröselten hinter dem nuschelnden Jean-Claude Juncker und dem hitzköpfigen Martin Schulz wie ein Friedhofszaun im Wüstenwind von Arizona. Eine anarchische Mischung von Rückenschmerzen, Langeweile und mühsam unterdrücktem Lachkrampf brach sich im Publikum Bahn. Es war halt eine sehr schlechte Show. Ausschnitte daraus wird man wohl wiedersehen: bei Olli Welke in der Heute-Show.

Dabei geht es ja nicht um Unwichtiges. Sanktionen gegen Russland? Eine bessere Einwanderungspolitik in der EU? Kritik an bösen Banken? Alles irgendwie: Ja, schon. Einschränkung von Zuwanderung ins Sozialsystem? EU-Beitritt der Türkei, Eurokrise und Bürokratieabbau? Arbeitslosigkeit? Kein Blatt Papier passt zwischen die beiden Konkurrenten. Dabei kann doch nur einer das höchste Amt der EU einnehmen, den Kommissionsvorsitz.

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Ein bisschen Pfiff bekam die Sache, als herauskam, dass Martin Schulz, der sich soeben als feuriger Bürokratieabbauer bekannte, selbst jener Ökodesign-Richtlinie der EU zugestimmt hatte, mit der kontinental geregelt wurde, wie so ein Duschkopf beschaffen zu sein hat.

Das nennt man dann wohl Rosstäuscherei. Von der übrigens nicht einmal ZDF-Chefredakteur Peter Frey Abstand hielt, als er den Zuschauern zu Beginn versprach, sie könnten mit ihrer Stimme mitentscheiden, wer der nächste Kommissionspräsident wird. Dabei weiß er es besser, wie ihm später rausrutschte: Es sind nämlich nicht die Wähler, sondern die Staats- und Regierungschefs, welche sich den nächsten Kommissionspräsidenten aussuchen. Das ist eines der Demokratiedefizite der EU. Aber darum sollte es bei dieser Veranstaltung ja nicht gehen.

Jean-Claude Juncker, auch als "Mister Euro" vorgestellt, kam ins Schwimmen, als ihm ein Zuschauer zu Recht vorhielt, dass Luxemburg, dessen Ministerpräsident er lange war, jahrelang als Steueroase mitten in Europa die Partnerländer übervorteilte. Das einzige, was ihm dazu einfiel, war: Österreich tat das auch. Schneller Themenwechsel.

So endete der Abend wie er anfing, als nervtötende Dauerwerbesendung, die ihren offensichtlichen Zweck, nämlich gute Stimmung zum europäischen Spiel zu machen, desto mehr verfehlte, je deutlicher wurde, was für ein gedankenloses Stück da gegeben wurde.

Einmal, wie aus dem Nichts, rutschte Jean-Claude Juncker raus: "Ich möchte Kommissionspräsident werden, weil Regierungschef war ich schon." Er ist halt kein Schauspieler, nicht einmal ein schlechter.

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