Kommentar über Bewaffnung und Mauern in Israel: Wildwest in Nahost

Israels Regierungschef lässt einen geplanten Mauerbau vorerst stoppen. Israels Bürger bewaffnen sich, die Lage im Nahen Osten heizt sich zunehmend auf. Kompromissfähigkeit ist auf beiden Seiten gefragt, kommentiert Jörg S. Carl.

Israels Bürger greifen zu den Waffen. Es ist die vorletzte Stufe in einer Phase der Eskalation von Gewalt. Wenn dann tausendfach der Finger am Abzug durchgezogen wird, wäre das Ende der Zivilisation erreicht: Wildwest in Nahost.

Doch diese Wertung beleuchtet nur eine Seite der Medaille. Zugleich muss man die Bewaffnung als einen verzweifelten Akt der Selbstverteidigung begreifen - wer will es den Menschen in Jerusalem, Tel Aviv oder Haifa verdenken: Wenn sich junge Palästinenser, mit Messern bewaffnet, in israelische Städte aufmachen, um wahllos Juden zu töten, liegt diese Reaktion nahe - umso mehr, als Armee und Polizei gegen den heimtückischen Terror machtlos sind.

Israels Regierung hat versucht, Kontrolle zurückzugewinnen, indem sie erste Mauern um die arabischen Viertel im Osten Jerusalems bauen ließ, aus denen die meisten Attentäter kommen. Auch das wurde als Selbstverteidigung deklariert, ist aber ebenso ein politisches Signal: Israel setzt weiter auf strikte Abschottung fernab einer Zwei-Staaten-Lösung, von der längst niemand mehr spricht. Man kann das wiederum als angsterfüllte Hysterie werten oder aber als notwendiges Übel, um ein in Beton gegossenes Zeichen des Schutzes an die eigene Bevölkerung zu setzen.

Unterm Strich bleibt Resignation. Oder wieder einmal nur, die Politiker beider Seiten zur Kompromissfähigkeit zu ermahnen und an die eigene Verantwortung zu erinnern: Wenn junge Palästinenser zu Mördern werden, hat das mit antiisraelischer Aufwiegelung in den Palästinensergebieten zu tun, aber eben auch mit der Besatzungspolitik der nationalkonservativen israelischen Regierung, die vor allem der palästinensischen Jugend Lebensperspektiven nimmt.

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