Wegen NPD-Kampage gab er Amt auf

Kommentar über Rückzug des Bürgermeisters in Sachsen-Anhalt

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Markus Nierth.

Ein Bürgermeister in Sachsen-Anhalt gibt auf: NPD-Demos gegen die Flüchtlingsaufnahme in der Gemeinde und fehlender Schutz bewegten ihn, sein Amt abzugeben. Ein Kommentar von Wolfgang Riek.

Wer Hunger, Krieg, Folter oder Elend in seiner Heimat endlich hinter sich lassen will, lässt sich weder von Grenzen noch von Meeren stoppen. Dass dahinter der Exportweltmeister Deutschland, auch vom Handel mit der ganzen Welt zu Wohlstand gekommen, bei den Verzweifelten ebendieser Welt als Traumziel gilt, liegt auf der Hand. Unser Land hat schon ganz andere Flüchtlingswellen integriert. Und die Jungen unter den Fremden - so lesen wir immer wieder - kommen uns angesichts unserer alternden Gesellschaft sogar ganz gelegen.

Eine Herkulesaufgabe für politisch Handelnde bleibt gleichwohl die Unterbringung von Flüchtlingen: Das Fremde löst Abwehrreflexe aus - ihnen Hilfsbereitschaft und einen Vertrauensvorschuss entgegenzusetzen, braucht Überzeugungsarbeit, braucht Menschen mit Mut. Den hat Tröglitz’ Ortsbürgermeister verloren, nachdem die NPD seine Familie zur Zielscheibe fremdenfeindlicher Aktionen gemacht hat und er weitgehend alleinstand. Die Erkenntnis von Sachsen-Anhalts Innenminister Holger Stahlknecht, ehrenamtlichen Feierabendpolitikern rechtsextreme Demos zuhause per Verbot besser zu ersparen, kommt zu spät.

Tröglitz hat nun ein doppeltes Problem: Die NPD dürfte feixen, und Nierths Job dürfte herumgereicht werden wie eine heiße Kartoffel.

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