Kommentar über Republikaner im US-Wahlkampf: Billige Sprüche

Der skurrile Milliardär Donald Trump hat die Fernsehdebatte der republikanischen Präsidentschaftsbewerber in den USA beherrscht. Ein Kommentar von unserem Korrespondenten Frank Herrmann

Eigentlich wollten die Republikaner ihre erste Fernsehdebatte nutzen, um im Wahlkampf ums Weiße Haus die konservative Alternative zu Hillary Clinton zu skizzieren. Offen schien nur, ob mit Jeb Bush ein Mann des Establishments den Ton angibt oder ob ihm Aufsteiger wie Marco Rubio oder Scott Walker den Rang ablaufen. Alles Makulatur: Momentan dreht sich alles um Donald Trump, den Immobilientycoon mit übergroßem Ego.

Staunend verfolgen die Amerikaner, wie der Unternehmer aus New York mit allen Regeln des politischen Betriebs bricht. Er hat den Ton der Kampagne verändert. Sein Idealbild Amerikas ist das der Fünfzigerjahre: Migranten aus Lateinamerika spielten kaum eine Rolle, China war kein Exportriese, im Nahen Osten gab es kein IS-Kalifat.

Diese Art der Nostalgie war auch zu spüren, als sich nach der Wahl Barack Obamas die Tea Party gegen eine Ära auflehnte, in der ein Mann mit dunkler Haut US-Präsident werden konnte. Trump ist kein Tea-Party-Rebell, er ist ein Populist auf der Suche nach einer Marktlücke. Nach seiner Lesart lässt sich eine blauäugige Elite in Washington permanent über den Tisch ziehen, statt so energisch aufzutreten, wie es sich für die „großartigste Nation“ geziemt. Billige Sprüche, doch einstweilen finden sie Gehör.

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