HNA Meinung

Kommentar über schmale Renten: Schlechte Aussichten

Stefan Vetter über die schmalen Renten.

Immer mehr Menschen sind bei ihrem Lebensunterhalt auf Grundsicherung angewiesen. Besonders betroffen sind Frauen (61 Prozent) im Rentenalter in den alten Bundesländern.

Schätzungsweise 1,004 bis 1,009 Millionen Menschen bekamen die staatliche Leistung im ersten Quartal 2015, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden gestern mitteilte. Ein Kommentar dazu von unserem Berlin-Korrespondenten Stefan Vetter.

Mehr als eine halbe Million Rentner in Deutschland haben nach der aktuellen Statistik aus eigener Kraft so wenig Geld zum Leben, dass sie auf staatliche Grundsicherung angewiesen sind. Doch was sagt diese Zahl? Für die Sozialverbände ist sie voller Dramatik. Dort spricht man von einer „Lawine der Altersarmut“.

Tatsache ist zunächst einmal, dass es der heutigen Rentnergeneration so gut geht wie kaum einer zuvor. Ihre Armutsgefahr ist unterdurchschnittlich ausgeprägt. Nur knapp drei Prozent der Ruheständler sind auf das Sozialamt angewiesen. Bei den Allerziehenden sind es fast 40 Prozent. Und auch die Zahl der Kinder, die in Hartz-IV-Haushalten leben, liegt rund drei Mal so hoch wie die der Rentner mit Grundsicherung. Panikmache ist also unangebracht. Aber auch keine Entwarnung.

Die Steigerungsraten beim immer noch niedrigen Niveau der Altersarmut müssen jedenfalls zu denken geben. Das liegt nicht nur daran, dass die Menschen in Deutschland immer mehr in die Jahre kommen.. Viele künftige Rentner werden auch wegen zurückliegender Arbeitslosigkeit und niedriger Löhne Probleme bekommen, die bei der heutigen Generation der Ruheständler noch nicht in dem Maße ausgeprägt waren. Das deutsche Rentensystem ist dafür nur unzureichend gewappnet. Die Koalitionsvereinbarung stellt zwar eine „solidarische Lebensleistungsrente“ für Geringverdiener in Aussicht. Doch ob dafür am Ende noch Geld übrig ist, steht auf einem anderen Blatt.

Email an den Autor: nachrichten@hna.de

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