Kommentar zu US-Vorwahlen um Präsidentschaftskandidatur

Das Rennen ist offen - die üblichen Gesetze gelten in diesem Wahljahr nicht. Frank Herrmann zu den Ergebnissen von New Hamphire.

Das Rennen ist völlig offen, in beiden Parteien. Es gab Wahljahre, da wurden bereits in New Hampshire die Weichen gestellt. Diesmal hat die zweite Etappe des Rennens um die Präsidentschaftskandidatur nur eines bewiesen: Es ist ein Wahljahr, in dem die üblichen Gesetze nicht gelten. Dazu brodelt es zu heftig an der Basis, dazu gehen zu viele Amerikaner zu sehr auf Distanz zu ihrer traditionellen politischen Klasse.

Donald Trump ist in Iowa schlecht aus den Startlöchern gekommen, nun zeigt sein Sieg in Neuengland, dass es vielleicht nur ein Stolperer war. In South Carolina, wo das nächste Votum ansteht, ist er eindeutig der Favorit. In kaum einem anderen Bundesstaat hat der rechtspopulistische Unternehmer derart intensiv um die Wählergunst gebuhlt, in keinem anderen ließ er sich über Monate hinweg so oft blicken wie dort.

Nur: Zählt man zusammen, was die vier Kandidaten des republikanischen Establishments (John Kasich, Jeb Bush, Marco Rubio, Chris Christie) an Stimmen erhielten, so kommt man auf fast 50 Prozent. Wer immer sich als Spitzenmann dieser Gruppe herausschälen wird, er hat noch immer gute Chancen, sowohl Trump als auch Ted Cruz, den Prediger der christlichen Rechten, in die Schranken zu weisen.

Bei den Demokraten bestritt Bernie Sanders in New Hampshire ein halbes Heimspiel, grenzt der „Granite State“ doch an das idyllische Vermont, wo er Karriere machte. Dennoch dürften im Lager Hillary Clintons die Alarmglocken läuten. Dass der Außenseiter, der Sanders amerikaweit noch immer ist, die Favoritin derart deklassieren würde, hatten die Meinungsforscher zwar prophezeit – geglaubt aber hatten es nur die wenigsten.

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