Kommentar zur Verfolgung von Naziverbrechern: "Kein Ruhmesblatt"

Macht es Sinn, über 90-jährige NS-Kriegsverbrecher zu verfolgen? Ja, sagt Wolfgang Blieffert von der HNA-Nachrichtenredaktion. Ein Kommentar.

Der zu lebenslanger Haft verurteilte Nazi-Verbrecher Heinrich Boere starb vor wenigen Tagen im Alter von 92 in einem Gefängniskrankenhaus. Dem gleichaltrigen Waffen-SS-Mann Siert Bruins droht Anfang Januar in Hagen gleichfalls lebenslang. Die ehemaligen Wärter aus dem KZ Auschwitz, denen die deutsche Justiz derzeit auf der Spur ist, sind ebenfalls in diesem hohen Alter.

Das wirft natürlich Fragen nach dem Sinn einer lebenslangen Haftstrafe auf, nach der Gefährlichkeit dieser Täter und ihrer Resozialisierung. Doch diese Fragen müssen abgewogen werden gegen den Anspruch der Opfer auf Gerechtigkeit und der Hinterbliebenen auf Genugtuung.

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Diese Ansprüche wiegen schwerer als alles andere. Ihre Erfüllung ist die deutsche Nachkriegsgesellschaft den Toten schuldig. Und im Sinne einer ehrlichen Vergangenheitsbewältigung ist sie es sich auch selbst schuldig. Zumal die Verfolgung von Nazi-Verbrechern über die Jahrzehnte kein Ruhmesblatt der deutschen Justiz gewesen ist. Da wurde zu oft weggeschaut, da wurden Dokumente verschlampt und Verfahren verschleppt. Ein Skandal, der unentschuldbar bleibt.

bli@hna.de

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