Kommentar zur Vermittlungsmission Angela Merkels: Ausgang offen

Die Bundeskanzlerin wirft als Vermittlerin in der Ukraine-Krise ihr ganzes Prestige in die Waagschale. Warum ihre Aufgabe eine undankbare ist, kommentiert HNA-Politikredakteur Wolfgang Blieffert.

Angela Merkel wandelt in diesen Tagen auf Hans-Dietrich Genschers Spuren. Der Ex-Außenminister ulkte einst, bei seiner Pendeldiplomatie zwischen verschiedenen Hauptstädten sei er sich beim Umsteigen auf dem Flughafen Köln-Bonn schon mal selbst begegnet.

Im Fall der Kanzlerin ist die Sache um einiges ernster. Es geht bei ihren jüngsten Gesprächen in Kiew und Moskau, München und Washington sowie heute in Minsk um nicht weniger als die Frage, ob der Krieg in der Ost-Ukraine beendet oder zumindest mittels einer Waffenruhe eingefroren werden kann. Dafür hat Merkel ihr ganzes Prestige in die Waagschale geworfen, dafür geht sie das Risiko des Scheiterns ein. Denn dass Russlands Präsident Wladimir Putin die von ihm unterstützten Separatisten zurückpfeift, ist alles andere als ausgemacht.

Tut er es doch, wird er sich das mit Zugeständnissen bezahlen lassen. Indem zum Beispiel die Separatisten die seit der letzten Minsker Vereinbarung erzielten Geländegewinne behalten dürfen. Merkel und Frankreichs Präsident Hollande käme dann die undankbare Aufgabe zu, die Ukraine von der Richtigkeit dieses Nachgebens zu überzeugen. Und sie müssten die Kritik aushalten, sie hätten den Aggressor Putin auch noch belohnt. Wahrlich keine schönen Aussichten.

Aber Merkel denkt in der Außenpolitik ungewöhnlich langfristig. Sie kann sich noch erinnern, wie die kommunistischen Machthaber 1961 die Mauer bauten und der Westen es bei verbalen Protesten beließ. Die Mauer fiel dennoch – wenn auch erst 28 Jahre später.

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