Kommentar zum Schleppereivorwurf: Vorsicht vor Trampern

Max Holscher über eine Frau aus Cölbe, die in Griechenland Flüchtlingen helfen wollte und der am Ende Schlepperei vorgeworfen wurde.

Wenn Ihnen das nächste Mal an der Straße ein Tramper den Daumen entgegenstreckt, sollten sie vorher vielleicht seinen Fingerabdruck mit den Daten der Bundespolizei abgleichen. Es könnte ein Flüchtling sein.

Die gutgemeinte Hilfe von Menschen wie der Frau aus Cölbe führt manchmal direkt in die Hände der Polizei – zumindest in Griechenland. Das ist ärgerlich und übertrieben.

Natürlich könnte man der engagierten Dame Naivität vorwerfen. Aber seien wir ehrlich: Wer hätte sich schon vorher Gedanken darüber gemacht, ob ihm eine Strafe droht, wenn er eine Flüchtlingsfamilie mit vier Kindern ein Stück mitnimmt? Wohl nur wenige.

Schlimmer sind dagegen die Auswirkungen, die das Handeln der griechischen Behörden hat. Ihr überzogenes Vorgehen – mag es gesetzlich korrekt sein – schreckt andere Helfer ab. Das Auto festgesetzt und man selbst auf Kaution frei. Wer das erlebt, überlegt sich zweimal, ob er erneut solche Strapazen auf sich nimmt. Der Vorfall zeigt allerdings auch den Druck, unter dem die Länder in Sachen Flüchtling stehen. Darunter leidet dann vor allem eines: das Feingefühl.

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