HNA-Meinung

Kommentar zur Wahl in Griechenland: Albtraum könnte wahr werden

Vor der Parlamentswahl in Griechenland zeichnet sich ein klarer Sieg der linken Partei Syriza ab. Ein Kommentar von HNA-Korrespondent Detlef Drewes.

Sein Name ist inzwischen in aller Munde. Alexis Tsipras, 40 Jahre alt, Chef des linken Parteien-Bündnisses Syriza in Griechenland. Und wenn die Umfragen die Stimmung unter den Hellenen richtig wiedergeben, dann könnte der umstrittene Politiker am Sonntag mit gut fünf Prozent Vorsprung gegenüber der konservativen Neo Dimokratia aus dem Urnengang hervorgehen.

Für Europa wäre es ein Alptraum. Für Deutschland wohl auch, folgt man den bisherigen Äußerungen der Bundesregierung. Tsipras hat zwar in den letzten Wochen seine bisherige Forderung nach einem Ausstieg des Landes aus dem Euro fallengelassen. Aber das Programm, mit dem er um Stimmen warb, erscheint für die Euro-Partner erschreckend genug. Da ist von einem Ende der Privatisierung die Rede, von einer Anhebung des Mindestlohns (von derzeit 586 auf 751 Euro), von höheren Renten und von einer Wiedereinstellung all derer, die im Öffentlichen Dienst beschäftigt waren und auf Geheiß der Troika gehen mussten.

Allein dieser letzte Schritt würde vermutlich rund zwölf Milliarden Euro kosten. Geld, das Athen nicht hat. Hinzu kommen aber weitere Pläne des Syriza-Chefs. So schwebt ihm die Idee eines Bündnisses der südlichen Euro-Mitglieder vor, um so Druck auf die Union ausüben zu können und den Spardruck zu mildern. Von einem Schuldenschnitt ist die Rede, damit das Land, das derzeit mit 174 Prozent seiner jährlichen Wirtschaftsleistung bei den Gläubigern in der Kreide steht, seine Darlehen nicht zurückzahlen muss. Es wäre das Ende des Euro-Rettungsmechanismus ESM.

Die größte Angst der Währungsunion besteht aber in der Verunsicherung, die Tsipras auf dem Finanzmarkt auslösen könnte. Schließlich gilt der bisherige Kurs unter dem Diktat von Troika, Reform-Zusagen und Internationalem Währungsfonds als Ausweis für die Fähigkeit des Euro-Raums, sich selbst aus der Krise zu retten. Sollte dieser Eindruck zerstört werden, könnten sich die Investoren erneut von Europa abwenden – und damit auch von Athen.

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