Kommentar zur Wahl in Griechenland: Europas Fliehkräfte

+

Die Griechen müssen nach einer gescheiterten Präsidentenwahl entscheiden, wie es in ihrem Land weitergehen soll. Ein Kommentar von HNA-Redakteur Tibor Pésza.

Es gehört zu den oft übersehenen Wahrheiten der Europäischen Union, dass sie ein freiwilliger Zusammenschluss demokratischer Staaten ist, kein Regime, auch keine Selbstverständlichkeit. Umso erstaunlicher ist das Funktionieren dieses Staatenbundes, trotz aller Fliehkräfte in den Mitgliedsländern.

Zu den Fliehkräften, die Europa zu zerreißen drohen, gehört trotz anderslautender Lippenbekenntnisse auch der noch amtierende griechische Ministerpräsident Antonis Samaras. Er ist verantwortlich für die Neuwahlen in seinem Land. Ihm ging es vor allem um sein eigenes politisches Schicksal.

Denn so oft die angebliche Besserung der wirtschaftlichen Situation in Griechenland auch besungen wird - richtig ist: Das Land ist in ökonomischer Hinsicht klinisch tot. Die Griechen werden in der Währungsgemeinschaft durchgeschleppt. Kein Ministerpräsident in Athen kann ihnen ernsthaft mehr versprechen als Mühsal und schmerzhafte Korrekturen - außer er will sein Land aus dem Euro führen. Doch das dürfte den Griechen ebenso weh tun wie den europäischen Steuerzahlern, deren Zuwendungen an Athen in diesem Fall endgültig verbrannt sein dürften.

Das ist Samaras’ politischer Überlebenstrick: Den Europäern droht er mit Zahlungsausfall, wenn sie nicht alle Augen zudrücken. Und den Griechen droht er mit dem Verlust ihrer Währung, wenn sie ihn nicht weiterwurschteln lassen. Ausgang offen.

Lesen Sie dazu auch:

- Präsidentenwahl in Athen gescheitert

Schlagworte zu diesem Artikel

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.