AfD im Landtag

Kommentar zur Wahl in Sachsen: "Ende der Ignoranz"

Jörg S. Carl über die Wahl in Sachsen

Die eurokritische Alternative für Deutschland (AfD) ist bei der Landtagswahl in Sachsen erstmals in ein deutsches Länderparlament eingezogen. Die CDU muss sich einen neuen Koalitionspartner suchen: Die FDP flog aus dem Parlament. Dazu ein Kommentar von HNA-Redakteur Jörg S. Carl:

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Je geringer die Wahlbeteiligung, desto stärker werden die Ränder des Parteienspektrums. Für diesen Evergreen der Wahlanalyse hat Sachsen eine neue Bestätigung geliefert: Jubel bei den Rechtspopulisten der AfD. Nach ihrem Erfolg bei der Europawahl ziehen sie erstmals in einen Landtag ein. Gleichzeitig fliegt die FDP in einem Bundesland, in dem sie mitregiert hat, in hohem Bogen aus dem Parlament.

Damit spiegelt sich in Sachsen der bundesweite Trend in der Parteienlandschaft wider: Eine konservative Kraft rechts von der Union wächst immer stärker heran, der traditionelle Partner der Union im bürgerlichen Lager, die FDP, fällt ins politische Koma. Ob die Liberalen daraus noch einmal erwachen, ist ungewiss.

Springt die AfD nun als Ersatz-Koalitionspartner für die Union ein? In Sachsen ist das nicht ausgeschlossen: CDU und AfD könnten dort regieren. Im Bund schließt die Union eine Kooperation aus. Die Frage liegt nahe: Wie lange noch? Zu antieuropäisch, zu rückwärtsgewandt lautet zurzeit noch das Urteil führender CDU-Politiker über die Alternative für Deutschland.

Die AfD geriert sich exakt als solche und spielt auf der Klaviatur des vermeintlichen Politikverdrusses der Bürger. Allein sie würde deren Sorgen und Nöte noch ernst nehmen. Diese Taktik ist, wie man sieht, erfolgreich: bei den Enttäuschten, bei den sich abgehängt Fühlenden und offensichtlich besonders im Osten.

Sachsen zeigt exemplarisch die neue Herausforderung für die etablierten Parteien, vor allem für die Union, deren Wähler teilweise zur AfD übergelaufen sind: Wie soll man umgehen mit der Fortschrittsskepsis einer Partei, die man bisher ignoriert hat? Nach dem Wahlsonntag in Sachsen geht das nicht mehr. jsc@hna.de

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