Abitur nach acht oder neun Jahren

Kommentar zur Wahl zwischen G8 und G9: "Wahlfreiheit Fehlanzeige

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Petra Wettlaufer- Pohl über den Gesetzentwurf zu G8/G9

Wiesbaden. Hessens Gymnasien sollen künftig wählen können, ob ihre Schüler nach acht oder neun Jahren Abitur machen. Der Entwurf des Schulgesetzes bietet jedoch keine echte Wahlfreiheit. Ein Kommentar von Petra Wettlaufer-Pohl, Korrespondentin in Wiesbaden.

Man kann es drehen und wenden wie man will: Wer Wahlfreiheit sagt, muss auch Wahlfreiheit bieten. Der Entwurf des Schulgesetzes tut genau das nicht. Denn wo bleibt sie, wenn ein einziges Elternpaar durch sein Nein zu G9 einen ganzen Jahrgang zum Verbleib in G8 zwingen kann? Ganz abgesehen davon , dass diese Familie wohl nicht glücklich würde an der Schule. Also die Schule wechseln? Auch das kann misslingen, denn inzwischen haben sich viele Schulen von G8 abgewandt. Auch für G8-Fans ist die Wahlfreiheit mancherorts faktisch Fehlanzeige.

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Der Wille der Mehrheit der Eltern hat sich insofern durchgesetzt. Bis dahin hatte eine ganze Schülergeneration darunter gelitten, dass vor zehn Jahren eine Schulzeitverkürzung über alle Köpfe hinweg verordnet wurde. Von ökonomischen Erwägungen geleitet, wurde das pädagogische Kerngeschäft der Schule hinten angestellt.

Zu den Errungenschaften des Jahres 2008 ohne klare Mehrheit im Landtag gehörte, dass die Gesamtschulen mit neuen Jahrgängen zu G9 zurückkehren durften. 2012 auch die Gymnasien, weil CDU-Chef Volker Bouffier um seine Wahlchancen fürchtete. Dann einigte sich Schwarz-Grün auf die Wahlfreiheit auch für bestehende G8-Jahrgänge. Wie die Schulen das alles stemmen sollen, ist der Koalition egal: Zur Wahlfreiheit gehöre auch Verantwortung.

Für die Wahlversprechen der schwarz-grünen Landesregierung stehen nun also die Schulen ein. Damit entlarvt sich das erste schwarz-grüne Projekt als Murks.

Email an die Autorin: wet@hna.de

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