Kommentar zum Weltflüchtlingstag: Immer ein Kraftakt

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Weltweit sind aktuell Menschen auf der Flucht. Als 1945 die Trecks aus dem Osten in Deutschland ankamen, da waren die Flüchtlinge nicht überall willkommen. Dennoch wurde ihre Integration eine Erfolgsgeschichte, kommentiert HNA-Redakteurin Tatjana Coerschulte.

Als 1945 die endlosen Trecks aus Ostpreußen, Schlesien und dem Sudetenland den Westen erreichten, da wurden die Flüchtlinge durchaus nicht überall mit offenen Armen empfangen. Das Deutschland, das diese Millionen von Krieg und Flucht zerlumpter Gestalten aufnehmen sollte, war in großen Teilen zerstört. Diese Menschenmassen aus dem Osten zu versorgen, erschien damals vielen als eine unlösbare Aufgabe – zumal die im Westen oft selbst ihr Hab und Gut verloren hatten und von vorn anfangen mussten.

Die Sorge, dass es nicht für alle reichen könnte, der Neid, dass es den Flüchtlingen leichter gemacht werden könnte als einem selbst – auch diese Empfindungen prägten das Klima der Nachkriegszeit. Es gibt heute in Deutschland viele alte Menschen, die wissen, was es heißt, ein Flüchtlingskind zu sein. Sie wissen aus eigener Erfahrung, was es bedeutet, Vorurteilen bis hin zur Ablehnung zu begegnen.

Dass die Integration der Flüchtlinge aus dem Osten inzwischen als Erfolgsgeschichte gefeiert wird, das hat sich 1945 wohl niemand vorstellen können. Und doch ist es gelungen: in einem Kraftakt, zäh und mit Reibungsverlusten, aber am Ende ein Erfolg. Das sollten die Deutschen nicht vergessen, wenn heute wieder über Flüchtlinge und deren Zukunft debattiert wird.

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