Viel in Bewegung geraten

Kommentar: Warum die Türkei und Europa wieder Freunde sind

Europa will der Türkei in der Flüchtlingskrise finanziell unter die Arme greifen. Ein Kommentar von unserem Brüssel-Korrespondenten Detlef Drewes.

Sie sind keine dicken Freunde. Aber sie brauchen sich: Europa und die Türkei haben ihrer abgekühlten Beziehung so etwas wie neue Leidenschaft gegeben. Auch wenn der Schlüssel zur Lösung des Flüchtlingsproblems nicht allein in Ankara liegt, so kann die türkische Führung doch viel zu einer Milderung des Drucks beitragen. Aber anders als noch vor wenigen Wochen ist Staatspräsident Erdogan das Erpressungspotenzial abhandengekommen. Seit dem Zerwürfnis mit Russland wegen des abgeschossenen Bombers muss das Land nicht nur mit den Folgen eines fulminanten politischen Fehlers um Ansehen kämpfen, sondern auch mit den drastischen Folgen der absehbaren wirtschaftlichen Sanktionen.

Das wertet die EU für die Türkei auf, weil Ankara nicht mehr länger durch Geschäfte mit Russland ausgleichen kann, was ihr die EU verweigert. So kommt den Angeboten aus Brüssel, die als Gegenleistung für mehr Mithilfe gegen den Flüchtlingsstrom gedacht sind, große Bedeutung zu. Zwar bleibt Ankara auch weiter auf mehreren Millionen Kriegsopfern sitzen, muss die Lasten aber nicht länger allein tragen. Und es bekommt dafür, kaum dass die russische Perspektive zerstört wurde, eine europäische. An diesem Sonntag ist viel in Bewegung geraten. 

Schlagworte zu diesem Artikel

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.