Rot-rot-grüne Zusammenarbeit

Kommentar zu Ypsilanti-Interview: "Einen Bärendienst erwiesen"

Die frühere SPD-Vositzende Andrea Ypsilanti hat sich nach vier Jahren zu Wort gemeldet - mit einer Empfehlung an ihre eigene Partei, sich mit der Linken positiv auseinander zu setzen. Was sie damit ausgelöst hat, kommentiert HNA-Hessen-Korrespondentin Petra Wettlaufer-Pohl.

Vielen Sozialdemokraten dürfte das Frühstücksbrötchen im Halse steckengeblieben sein: Ausgerechnet jetzt, wo die SPD sich vorerst ein Schweigegelübde in der Öffentlichkeit auferlegt hat, gibt die Frau Interviews, die seit 2009 geschwiegen hat. Die eine ganze Legislaturperiode lang nichts gesagt hat, weil sie den Regierungswechsel damals gründlich vermasselt hatte. „Augen zu, dann sind sie weg“, das war ihr Motto 2008, als sie nicht erkennen wollte, dass parteiinterne Kritiker ihrem rot-grün-roten Kurs nicht folgen würden.

Petra Wettlaufer-Pohl über Andrea Ypsilanti

Natürlich ist es legitim, wenn die gewählte Abgeordnete Ypsilanti, trotz langen Schweigens immerhin mit einem sehr guten Listenplatz bedacht, ihre Meinung äußert. Eine Meinung, mit der sie in der SPD keineswegs allein steht. Doch ausgerechnet ihr öffentlicher Rat ist für Thorsten Schäfer-Gümbel nicht hilfreich. Denn die Erinnerung an das Wortbruch-Debakel der Andrea Ypsilanti ist in Hessen immer noch präsent.

Für Schäfer-Gümbel ist das bis heute eine schwere Bürde, die eine Annäherung an die Linke schwieriger macht als in jedem anderen Bundesland. Dabei gibt es inhaltlich viele Überschneidungen mit der Linken. Und eine große Koalition mit Volker Bouffier ist für viele Sozialdemokraten ein Albtraum.

Ypsilanti hat ihrem Nachfolger deshalb einen Bärendienst erwiesen. Ihre Ratschläge konterkarieren die Absicht der SPD, Ruhe zu bewahren. Jetzt aber ist es erneut Schäfer-Gümbels Aufgabe, den Schaden, den Ypsilanti anrichtet, zu beheben. Für ein Comeback jedenfalls empfiehlt sie sich nicht. wet@hna.de

Rubriklistenbild: © dpa

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