Kommentar zu Zeugenhinweisen nach Straftaten: Ziviler Widerstand

Zeugen der Blockupy-Krawalle in Frankfurt haben die Polizei mit Fotos und Videos versorgt. Nicht jeder ist davon begeistert. Ein Kommentar von HNA-Nachrichtenchef Tibor Pézsa.

Die Ermittler der Polizei können frohlocken: Viele Zeugen der Blockupy-Krawalle haben Fotos und Videos zur Verfügung gestellt, um Straftäter identifizieren zu können.

Der Vorgang löst bei historisch sensiblen Menschen Vorbehalte aus. Denn der Grat zwischen Zeugenaussage und Denunziation ist schmal. Wir hatten in Deutschland schon zwei Staaten und Polizeien, bei denen das Anschwärzen von Nachbarn und Missliebigen mit schwerem Unrecht Hand in Hand ging.

Doch heute, so auch bei der Blockupy-Randale vor drei Wochen in Frankfurt, ist die Ausgangssituation völlig anders. Heute stehen nicht entrechtete Bürger gegen ein Unrechtsregime und seine Helfershelfer. In Frankfurt wurde der legale und legitime Protest der EZB-Kritiker schlicht von Gewalttätern missbraucht.

Dass dies von Passanten gefilmt und fotografiert wurde, und dass dieses Material haufenweise der Polizei übergeben wurde, zeigt nur, wie sich nach 70 Jahren Demokratie unser Staatsverständnis geändert hat: Der Staat, das sind wir alle. Und wir reagieren feinfühlig, wenn unsere Demokratie mit Füßen getreten wird.

Wer meint, Autos anzünden zu müssen, Fenster und Bushaltestellen zu zertrümmern, und nicht einmal vor Steinwürfen auf Polizisten zurückschreckt, der muss mit energischem bürgerlichen Protest rechnen. In Frankfurt zeigt sich jetzt ironischerweise genau jener zivile Widerstand gegen die Blockupy-Randale, den Blockupy so gern für sich und die eigenen Ziele reklamiert hätte. So kann man sich irren.

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