"Hinterhältig und dreist"

Kommentar zu den Doppelmandaten von Frauke Petry und Marcus Pretzell

Die AfD-Vorsitzende Frauke Petry und ihre Ehemann Marcus Pretzell sind bei der Bundestagswahl 2017 in den Bundestag eingezogen. Sie behalten aber auch ihre Mandate im sächsischen Landtag beziehungsweise im Europaparlament. Dazu ein Kommentar von HNA-Politikredakteurin Tatjana Coerschulte.

Vermutlich gibt es nur deswegen kein juristisches Verbot von Doppelmandaten, weil sich niemand ein so dreistes Vorgehen vorstellen konnte: Da häuft ein Abgeordneter mit Vorsatz Parlamentssitze an, um das damit verbundene Geld zu kassieren, aber den eigentlichen Wählerauftrag zu ignorieren. Frauke Petry und Marcus Pretzell setzen diesem unanständigen Verhalten eine Krone auf, weil sie die Wählertäuschung als privat und politisch verbundenes Paar im Doppelpack vollziehen. 

Von beiden war bekannt, dass sie bei Finanzen keine glückliche Hand hatten. Dafür hatten Parteifreunde sie sogar in Schutz genommen. Auch diese Solidarität haben sie ausgenutzt. Ihr Vorgehen, direkt nach der Wahl die AfD zu verlassen, aber weiter aufgestockte Diäten zu beziehen, war geplant und ist darum hinterhältig. Zwar sind Abgeordnete nur ihrem Gewissen verantwortlich, bei beiden passt da aber offenbar viel rein. 

Die einzige Pointe ist, dass diese Nummer aus einer Partei kommt, die über eine angeblich raffgierige und abgehobene Polit-Elite hergezogen hat. Petry/Pretzell schaden mit ihren Doppelmandaten der AfD, auf deren Ticket sie an die Töpfe voll Steuergeld gesegelt sind, und sie schaden der Demokratie. Sie schaden aber auch sich selbst: Politik hat noch immer mit Glaubwürdigkeit und Integrität zu tun. Sollten sie eine neue Partei planen, ist die schon jetzt diskreditiert.

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