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Kommentare bei Facebook & Co.: Community verroht zunehmend

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Von: Marie Klement

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Facebook-App: Der Mutterkonzern Meta hat Ärger mit den US-Behörden. Schlimmstenfalls droht ihm die Zerschlagung.
Facebook-App: Der Mutterkonzern Meta hat Ärger mit den US-Behörden. Schlimmstenfalls droht ihm die Zerschlagung. © dpa

Nach dem Polizistenmord bei Kusel zeigt sich einmal mehr, dass in den sozialen Netzwerken immer mehr Empathielosigkeit herrscht. Ein Kommentar.

Es fing so schön an. Unschuldige Posts über Netzfundstücke, Laufeinheiten, Urlaube – und Freunde kommentierten, stellten Fragen. Facebook war ein Ort, an dem man seine Liebsten traf und Kontakt hielt. Die Betonung liegt auf: Facebook war.

Heute haben die sozialen Netzwerke ihre Unschuld lange verloren. Der Weg ist dabei immer gleich: Ein Netzwerk – sei es Twitter (Kurznachrichten), Youtube (Videos produziert von jedermann) oder Instagram (Bildernetzwerk) – startet mit einer guten Idee und einer kleinen, feinen Followerschaft. Dann wächst die Community und die Trolle und Bots entdecken das Netzwerk. Ab da geht es bergab. Es regieren Wut, manipulierende Inhalte und Unwahrheiten.

Keine Frage: Es gibt Situationen, in denen soziale Netzwerke noch immer wichtig sind. Etwa wenn sie Umbrüche wie vor einigen Jahren in Ägypten oder Proteste wie zuletzt in Belarus ermöglichen.

Kommentare zu einem Post zum Polizistenmord bei Kusel
Kommentare zu einem Post zum Polizistenmord bei Kusel. © Screenshot: Facebook

Sonst gilt aber vor allem eines: Die Community verroht immer mehr. So zu sehen aktuell bei dem Polizistenmord in Rheinland-Pfalz. Nutzer kommentieren Posts zu dem Thema mit Lach-Smileys. Unzählige – übrigens unter Klarnamen und mit echten Bildern – vermuten eine Verschwörung, da am Tatort der Personalausweis des Täters gefunden wurde. Zahlreiche schreiben, die Tat sei zu Recht geschehen. Da möchte man doch schreien. Zwei junge Menschen wurden getötet. Zwei junge Menschen, die einen Beruf ausübten, in dem sie andere schützten und anderen halfen. Und in den Netzwerken? Regiert Empathielosigkeit.

Beim Lesen der Kommentare fällt immer wieder auf: Viele Nutzer sind gefangen in ihrer Filterblase – sehen von den Algorithmen der Netzwerke ausgewählt also nur Themen und Kommentare, die ihrer eigenen Meinung entsprechen und diese bestärken. Gleichzeitig entsteht in den Netzwerken ein verzerrtes Bild. Denn eine kleine, sehr laute Gruppe, die alle anderen niederbrüllt, erscheint viel größer und wichtiger, als sie ist. Einige wenige tapfere halten mit Argumenten dagegen – meist vergeblich.

Zweierlei muss daher passieren: Die Netzwerke müssen reguliert werden, da sie an Kommentaren verdienen und diese daher fördern – egal wie deren Ton ist. Und: Man muss bei den Nutzern ansetzen und in Schulen, Unis und im Arbeitsumfeld verstärkt Medienkompetenz lehren. Sonst macht das Ganze nicht nur keinen Spaß mehr, sondern wird auch zur Gefahr für die Demokratie. (Marie Klement)

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