Kommentar zu den Engpässen in der Pharmaindustrie: Pflicht zur Transparenz

Martina Hummel über Lieferengpässe bei Medikamenten

Was tun, wenn man in der Apotheke sein Medikament nicht bekommen und statt dessen die Worte "derzeit nicht lieferbar" hört. Lieferengpässe lassen den hessischen Apothekerverband Alarm schlagen. Ein Kommentar von Martina Hummel.

Deutschland ist ein reiches Land mit einem hohen Standard in der medizinischen Versorgung. Dass es dennoch zu Lieferengpässen bei Medikamenten kommt, ist eigentlich nicht vorstellbar – bis man selbst in der Apotheke steht. Wie so oft in Deutschland dreht es sich auch hier ums Geld. Ausbaden müssen derartige Sparmaßnahmen Patienten, Apotheker und Mediziner, während Krankenkassen und Pharmaindustrie nur indirekt damit zu tun haben.

Natürlich gilt für Kassen wie Industrie das Gebot der Wirtschaftlichkeit. Aber wie soll man ein Problem in den Griff bekommen, wenn sich nichts Wesentliches ändert?

Rabattverträge kratzen nur an der Oberfläche. So lange die Pharma-Industrie Analog-Präparate, Schein-Innovationen und variierende Packungsgrößen gewinnbringend auf den Markt bringt, packt man die Kostensteigerungen nicht an der Wurzel.

Es entsteht über das Rabattsystem allenfalls ein diffuser Mix aus Planwirtschaft und Pseudosparen. Wie absurd dieses System ist, lässt sich an der Zahl der Rabattverträge ablesen – sie ist von niemandem noch ernsthaft zu überblicken.

Wenn Politik sich mehr Transparenz von der Liste mit Lieferengpässen verspricht, dann bitte verbindlich für die Industrie. Damit man jene Hersteller auf Dauer herausfiltern kann, die sich mit niedrigen Preisen Aufträge sichern, in Wirklichkeit aber pokern, ob sie die Lieferung zu den angebotenen Konditionen überhaupt in den Griff bekommen.

Der Lieferengpass bei Medikamenten zeigt, wie chronisch krank das Gesundheitssystem in Deutschland ist.

Kontakt zum Autor: mwe@hna.de

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