Konservativer Lobo siegt bei Wahl in Honduras

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Der konservative Unternehmer Porfirio Lobo Sosa (Mitte, schwenkt die blaue Fahne bei einer Wahlveranstaltung) wurde klar zum neuen Präsidenten von Honduras gewählt.

Tegucigalpa - Fünf Monate nach der gewaltsamen Absetzung des Staatschefs Manuel Zelaya hat Honduras den konservativen Unternehmer Porfirio Lobo Sosa klar zum neuen Präsidenten gewählt.

Wie die nationale Wahlbehörde in der Nacht zum Montag mitteilte, kam der Kandidat der Nationalen Partei (PN) nach Auszählung von rund 1,7 Millionen Stimmen auf 52,3 Prozent. An zweiter Stelle befand sich der Kandidat der noch regierenden Liberalen Partei (PL), Elvin Santos, mit 35,8 Prozent der Stimmen. Die übrigen drei Bewerber waren chancenlos abgeschlagen. Zelaya erklärte in einem Fernsehinterview, die Wahlen nicht anzuerkennen.

Neuer Präsident will Regierung der Einheit bilden

Lobo kündigte an, er werde eine Regierung der Einheit bilden. Diese solle “die honduranische Familie wiederherstellen“, die seit dem Sturz Zelayas am 28. Juni geteilt sei. “Bereits am Montag werden die Schritte eingeleitet, damit wir alle in einem großen Dialog mit allen Bereichen der Gesellschaft treten und das beginnen, was wir schon so lange herbeisehnen: Einen nationalen Plan, der aus einem Vertrag mit allen hervorgeht“, erklärte er in Anspielung auf den Wunsch vieler nach einer neuen Verfassung.

Die Wahlen verliefen weitgehend friedlich. Allerdings berichteten Nicht-Regierungsorganisationen von Festnahmen und hartem Vorgehen der Sicherheitskräfte. In San Pedro Sula, wo eine Menschenmenge gegen die Wahl und gegen Festnahmen von Oppositionellen protestierte, wurden mehrere Personen verletzt. Auch Amnesty International berichtete von Festnahmen. Ein spanischer Reporter wurde mit der Begründung festgenommen, er habe sich in die Politik eingemischt.

61 Prozent Wahlbeteiligung - trotz Zelaya-Boykott

Trotz des Boykotts durch die Anhänger Zelayas lag die Wahlbeteiligung den Angaben der Wahlbehörde zufolge bei rund 61 Prozent. 2005, als Zelaya gewählt wurde, hatten sich 56 Prozent der 4,6 Millionen Wahlberechtigten an der Abstimmung beteiligt. Der international nicht anerkannte Übergangs-Präsident Roberto Micheletti feierte die Wahl am Sonntagabend als ein historisches Ereignis und sagte: “Der Tag hat gezeigt dass die Honduraner in Demokratie und Freiheit leben wollen. Das müssen die anderen Länder begreifen.“

Viele Länder in Amerika hatten zuvor erklärt, die Wahl und den neuen Präsidenten nicht anerkennen zu wollen, da Zelaya nicht zuvor wieder eingesetzt worden war. Die Organisation der Amerikanischen Staaten (OAS) will in der kommenden Woche erneut über die Lage in Honduras nach den Wahlen beraten. Nur die USA, Panama, Costa Rica und Panama haben sich bisher klar für die Anerkennung der Wahlen ausgesprochen.

Hoffnung auf Ende der Staatskrise

Neben dem Präsidenten wurden auch dessen drei Stellvertreter, die 128 Abgeordneten des Parlaments und die Bürgermeister im ganzen Land neu gewählt. Die Machthaber um Micheletti in Honduras hoffen, mit der Wahl eines neuen Präsidenten die Staatskrise zu beenden, in die das mittelamerikanische Land im Sommer dieses Jahres durch den Sturz Zelayas geraten ist.

Zelaya war im September heimlich nach Honduras zurückgekehrt und hatte versucht, seine Anhänger zu einem Aufstand zu bewegen. Er sitzt wie ein Gefangener in der brasilianischen Botschaft in Tegucigalpa und verlangt seine Rückkehr an die Macht. Über sein Schicksal sollte ab diesem Montag im Parlament beraten werden. Der neue Präsident soll Ende Januar 2010 sein Amt antreten.

dpa

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