Pro & Kontra zum Clown-Zitat: Dürfen Politiker so reden?

Nach dem Clown-Zitat von Peer Steinbrück fragen wir: Dürfen Politiker so reden? Für die HNA diskutieren Wolfgang Blieffert (Politikredaktion) und Jan Schlüter (Chefredaktion) das Thema in einem Pro und Kontra. Wie ist Ihre Meinung?

Pro: Klartext statt Knigge

Peer Steinbrück hat nur einen Fehler gemacht: Silvio Berlusconi als Clown zu bezeichnen, beleidigt diesen ehrenwerten Berufsstand. Denn Berlusconi ist kein Spaßmacher, sondern ein politischer Bankrotteur mit kriminellem Hintergrund.

Wolfgang Blieffert, Politikredaktion (E-Mail: bli@hna.de)

Aber sonst? Steinbrück ist Kandidat, nicht Kanzler. Wäre er in Amt und Würden, hätte er jetzt ein Problem, wie die Gesprächsabsage durch Italiens Staatspräsidenten zeigt. Zumal der SPD-Kanzlerkandidat selbst am besten weiß, dass er sich einst vergaloppierte, als er als Finanzminister die Kavallerie gen Schweiz reiten lassen wollte.

Aber Steinbrück ist derzeit eben nur Kandidat. Und in dieser Funktion muss er für die Wähler authentisch bleiben, als Persönlichkeit erkennbar werden. Seine Stärken sind neben seiner finanzpolitischen Kompetenz nun mal seine bildhafte Sprache und seine Schlagfertigkeit. Deshalb fiel Steinbrücks Clowns-Äußerung in einer Veranstaltung namens "Klartext mit Peer" und nicht in einem Knigge-Kurs für den diplomatischen Dienst. Viel Lärm also um nichts.

Das allerdings ist auch ein bedenkliches Zeichen: Der SPD-Kanzlerkandidat dringt medial kaum mit inhaltlichen Positionen durch, sondern wird allzuoft nur mit vermeintlichen oder tatsächlichen Patzern wahrgenommen.

Kontra: Beleidigung statt Klartext

Keine Frage: Freie Worte, freche Sprüche, gern auch mal große Klappe - das ist alles besser als das übliche, oft langweilige Politiker-Blabla. Aber es ist nicht immer Bierzelt, nicht immer Bütt.

Es gibt für Spitzenpolitiker, insbesondere in Bezug auf prominente Kollegen im Ausland, eine diplomatische Pflicht zur Mäßigung, getreu der Devise: Das eine denkt man, das andere sagt man.

Jan Schlüter, Chefredaktion (E-Mail: jas@hna.de)

Wer hingegen wie SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück Klartext mit Beleidigung verwechselt, zeigt ein erstaunliches Maß an mangelndem Fingerspitzengefühl. Er mag ja in Potsdam mit seinen Clown-Sprüchen gut ankommen, in Padua sorgt er damit für Unverständnis. Letztlich hat er Millionen italienischen Wählern attestiert, dass sie dumm seien und leider nur einen Clown gewählt hätten.

Peinlich, peinlich: Nun muss sich der Mann, der anstrebt, ins Kanzleramt in Berlin einzuziehen, vom altersweisen Präsidenten aus Rom Nachhilfe im Umgang demokratisch gewählter Politiker gefallen lassen.

Steinbrück muss endlich seine Rolle annehmen. Er ist nicht länger der kecke Peer von der Küste, der mit hanseatischer Arroganz und Schnoddrigkeit die Welt beurteilt, sondern Kanzlerkandidat einer großen Partei eines bedeutenden Landes.

Rubriklistenbild: © dpa

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