Saskia Trebing über den Teenie-Visionär

Kopf des Tages: William Kamkwamba

William Kamkwamba

Für sein erstes Windrad hat William Kamkwamba das Fahrrad seines Vaters geopfert. Wochenlang hatte der damals 14-Jährige gebettelt, dann durfte er endlich den schwarzen Rahmen mit den Rostflecken zerlegen.

Mit den elterlichen Fahrradteilen, Abflussrohren und einem Traktorgebläse baut er 2002 ein Windrad, das aussieht, als könne es nicht mal einer Brise über dem malawischen Hochland standhalten. Doch dann beginnt das angeschlossene Radio plötzlich afrikanischen Reggae zu spielen.

William Kamkwamba hatte seinem Dorf im südostafrikanischen Nichts Elektrizität geschenkt. Seitdem ist der heute 22-Jährige so etwas wie ein erfinderischer Volksheld - ein afrikanischer Don Quichote, der nicht gegen Windmühlen, sondern mit Windmühlen gegen Armut kämpft. „Ich will Afrika erleuchten“, sagt der junge Visionär, der jetzt maßgeschneiderte Hemden trägt. Seit ein malawischer Lokaljournalist über seinen kleinen Windpark im Dorf Masitala berichtet hat, ist seine Geschichte um die Welt gegangen.

Biografie-Video

Video

Von Wissenschaftlern wurde er 2007 auf eine internationale Erfinderkonferenz in Tansania eingeladen, wo er in gebrochenem Englisch vor Al Gore sprach. 2008 schrieb der US-Journalist Bryan Mealer ein Buch über ihn. „Der Junge, der den Wind einfing“ ist seit dieser Woche auch auf Deutsch erhältlich. Noch immer kann der Sohn eines Tabakbauern nicht so recht glauben, dass er als Hoffnungsträger eines ganzen Kontinents gefeiert wird.

„Am Anfang hat mich meine Familie für verrückt gehalten“, sagt William Kamkwamba, der sich die Anleitung für seine ersten Windräder aus geliehenen Büchern zusammengesucht hat. „Es hieß immer: der Junge kifft zuviel.“ Heute muss der unermüdliche Tüftler keine Fahrräder mehr zerlegen. An einem Eliteinternat in Johannesburg macht er sein Abitur, dann will er in den USA Ingenieurswesen studieren und dann nach Afrika zurückkommen. Wie er seinen Traum von Elektrizität auf dem ganzen Kontinent finanzieren soll, weiß William Kamkwamba noch nicht. Würde er sich über solche Fragen den Kopf zerbrechen, hätte er wohl nie angefangen, Windräder zu bauen.

Der Junge, der den Wind einfing, setzt auf den Erfindergeist seines Volkes. „Wir sind so viele“, sagt er strahlend. „Man muss uns nur Gelegenheit geben, unsere Gaben zu entwickeln."

Das Buch

William Kamkwamba, Bryan Mealer: Der Junge, der den Wind einfing. Eine afrikanische Heldengeschichte. Irisiana Verlag. 384 Seiten. € 19,95

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.