Die Stadt Celle schreibt Stellen aus, auf die man sich anonym bewerben kann

Kopflos in die Bewerbung

Jockel Birkholz

Celle. Ist sie die richtige Frau für den Job? Ist er der Mann, den wir brauchen? – Solche Fragen stellen sich der Stadtverwaltung in Celle künftig nicht mehr beim Durchsehen von Bewerbungen. Als einzige Kommune bundesweit nimmt die niedersächsische Stadt an einem Modellprojekt zur anonymen Bewerbung teil.

Im Januar soll die erste Stelle eines Verwaltungsbeamten nach dem neuen Verfahren ausgeschrieben werden. Dazu hat die Stadt ein Formular entwickelt, das den Bewerbern vorgibt, was sie angeben müssen: schulische Ausbildung, Berufserfahrung, Nebenberufe, Sprachkenntnisse, Stärken, Hobbys und Motivation.

Verzichtet wird dagegen auf persönliche Angaben wie Name, Alter und Geschlecht sowie Kopffoto des Bewerbers. Ganz ohne Daten geht es dann aber doch nicht: Die Jobsuchenden müssen ihre Kontaktinformationen auf ein gesondertes Blatt schreiben. Das werde allerdings vor dem Lesen der Bewerbung abgetrennt und mit einer Nummer versehen. „Der Entscheider bekommt nur das Formular“, sagt Jockel Birkholz von der Stadtverwaltung Celle.

Der Personal-Fachdienstleiter war zunächst kritisch, als Oberbürgermeister Dirk-Ulrich Mende entschied, dass sich die Stadt an dem Pilotprojekt des Bundes beteiligt. „Nach und nach bin ich aber überzeugt worden“, sagt Birkholz.

Mittlerweile hat er hohe Erwartungen an das Projekt: „Wir glauben, dass wir so neue Bewerberkreise erreichen, das Bewerbungsverfahren effizienter gestalten und unser Image verbessern.“

In Celle beispielsweise gebe es relativ viele Kurden. Aus dieser Bevölkerungsgruppe habe es den Hinweis gegeben, dass man sich nicht bewerbe, weil man keine Chancen sehe. Mit der anonymen Bewerbung soll sich dies ändern. „Auch wenn ich nicht glaube, dass wir in der Vergangenheit bewusst diskriminiert haben“, sagt Birkholz.

Ein weiterer Vorteil: Die Bewerbung könne schneller bearbeitet werden. „Bisher hatten wir Hunderte Mappen, die wir durchsehen müsste.“ Nun sei der Rahmen vorgegeben, man könne schneller vergleichen.

Im nächsten Schritt stößt das Verfahren allerdings an seine Grenzen: Denn sind die acht Kandidaten gefunden, geht es nicht mehr ohne Gesicht. Die Bewerber werden zum Vorstellungsgespräch eingeladen und sollen eine normale Bewerbungsmappe vorlegen.

Ein Jahr will die Verwaltung das Verfahren nun testen. Grundsätzlich könne man es auf jede Stelle anwenden. Zwei Ausnahmen gibt es laut Birkholz allerdings: Saisonarbeitern will man das Verfahren ersparen. „Und den Oberbürgermeister werden wir so nicht auswählen, der wird gewählt.“ Foto: nh

Von Göran Gehlen

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