Kommentar

Kopftuch-Verbot am Arbeitsplatz: Klare Sache, privat ist privat

Für manche Muslimin ist das Kopftuch eine religiöse Pflicht. Doch nicht jeder Arbeitgeber will das erlauben. Eine Rezeptionistin aus Belgien und eine IT-Expertin verloren deshalb den Job. Der EuGH hat nun Grundsatzfragen beantwortet. Ein Kommentar von Tibor Pézsa.

Das reibungslose Funktionieren der Wirtschaft steht über dem religiösen Bekenntnis, jedenfalls in Unternehmen - das ist die Botschaft des Kopftuch-Urteils der europäischen Richter. Es richtet sich gegen das Tragen religiöser Zeichen, wenn Arbeitgeber dies als störend fürs Geschäft empfinden.

In Zeiten, in denen im Namen des Islam die abscheulichsten Dinge geschehen, ist eine gewisse Empfindlichkeit gegenüber Glaubensbekundungen verständlich. Doch das Urteil richtet sich nicht gegen den Islam, auch nicht gegen eine andere Glaubensgemeinschaft. Es trägt der Tatsache Rechnung, dass das Bekenntnis des einen sehr schnell zur Belästigung des anderen werden kann. Eigentlich eine Selbstverständlichkeit.

Aber sind denn Staat und Kirche in Deutschland nicht schon seit der Weimarer Reichsverfassung von 1919 getrennt? Im Prinzip ja, was aber „das deutsche Volk“ 1949 nicht davon abhielt, sich ein Grundgesetz „im Bewusstsein seiner Verantwortung vor Gott und den Menschen“ zu geben. Tatsächlich ist das Verhältnis von Kirchen und Staat sehr eng.

Christliche Feiertage sind geschützt, Kirchen erheben Steuern, der Staat treibt diese ein und kassiert dafür einen Anteil. Auch bezahlt er kirchliches Personal. Zusätzlich fließen den Kirchen Jahr für Jahr hunderte Millionen Euro Staatsleistungen zu - als Ersatz für Enteignungen in der napoleonischen Zeit. Die Höhe dieser Zahlungen steigt ständig mit der Lohnentwicklung. Das Gesetz verlangt, diese Leistungen zu beenden. Doch das wird einvernehmlich ignoriert. Staat und Kirchen arbeiten eng zusammen.

Und wie privat ist Religion? Die Antwort der Richter ist erfreulich klar: Sehr privat. Manchmal sogar so privat, dass es eigentlich niemanden etwas angeht.

Rubriklistenbild: © dpa

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