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Drohende Eskalation in Europa: Serbischer Militärkonvoi rollt offenbar auf Kosovo zu

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Von: Richard Strobl

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Die Lage im Norden des Kosovo droht ernsthaft zu eskalieren. Nach mehreren Zwischenfällen beginnt Serbien nun offenbar Truppen in Richtung Grenze zu schicken.

Pristina - Nach zunehmenden ethnischen Spannungen im Norden des Kosovo hat Serbien damit gedroht, eigene Truppen in das Nachbarland zu entsenden. Und offenbar macht Präsident Aleksandar Vučić direkt Ernst.

So berichtet die spanische Zeitung El Periodico de la Geopolitica am Montag, dass sich ein Militärkonvoi in Richtung der kosovarischen Grenze bewege. Via Twitter verbreitete die Zeitung auch Videoaufnahmen, die die Truppenbewegung am Berg Kopaonik zeigen sollen. Zu sehen sind demnach Panzerfahrzeuge des Typs BOV-16 „Milosh“. Der Berg liegt im Süden Serbiens — nur wenige Kilometer von der Grenze zum Kosovo entfernt. Das berichtet merkur.de.

Serbische Panzerwagen rollen auf Kosovo zu - Konflikt droht zu eskalieren

Ein serbischer Militärkonvoi soll auf dem Weg in Richtung Kosovo sein. Hauptbild: Zivilfahrzeuge parken neben einer zementierten Barrikade, die den nördlichen, von der ethnischen serbischen Minderheit.
Ein serbischer Militärkonvoi soll auf dem Weg in Richtung Kosovo sein. Hauptbild: Zivilfahrzeuge parken neben einer zementierten Barrikade, die den nördlichen, von der ethnischen serbischen Minderheit. © IMAGO/Vudi Xhymshiti // Screenshot: Twitter/El Periodico de la Geopolitica

Zuvor hatte Serbien bereits angedroht, eigene Polizei- und Armee-Einheiten in das Kosovo zu entsenden. Die Videoaufnahmen sind besonders heikel, da die Nato-Sicherungstruppe KFOR Serbien diesen Schritt erlauben müsste. Präsident Vucic hatte am Samstagabend in einer Pressekonferenz in Belgrad allerdings gesagt, dass er kaum eine Chance sehe, dass die KFOR Serbien erlauben würde, Truppen in den Kosovo zu schicken. Das berichtet unter anderem t-online.

Vorausgegangen waren zunehmende ethnische Spannungen — es kam zu Straßenblockaden und Schusswechseln im Norden des Kosovo.

Ethnische Spannungen im Kosovo: Streit um Autokennzeichen eskaliert

Die Spannungen entbrannten um einen Streit um Autokennzeichen. Das Kosovo will rund 10.000 Angehörige der serbischen Minderheit verpflichten, nicht mehr mit serbischen Nummernschildern zu fahren, sondern solche der Republik Kosovo zu akzeptieren. Die Serben im Norden des Kosovo erkennen die Autorität der Regierung in Pristina jedoch nicht an.

Wegen des Streits hatten unter anderem serbischstämmige kosovarische Polizeibeamte kollektiv ihr Amt niedergelegt. Das Kosovo entsandte anschließend Polizisten der albanischen Bevölkerungsmehrheit in den Norden des Landes. Eine Patrouille dieser geriet dann am Freitag unter Beschuss. Ein Angehöriger der kosovarischen Polizei wurde „leicht verletzt (...) und am Polizeiauto entstand erheblicher Sachschaden“, wie die kosovarische Polizei am Freitag (9. Dezember) mitteilte. Demnach eröffneten die Angreifer das Feuer mit Gewehren aus einem Auto heraus.

Die Entsendung der Polizisten in den Norden heizt die Spannungen nun offenbar tatsächlich weiter an. Genau dies war befürchtet worden. Der Leiter des serbischen Regierungsbüros für das Kosovo, Petar Petkovic, verurteilte den Polizei-Einsatz im Norden und drohte anschließend schon am Wochenende mit einer möglichen Rückkehr serbischer Streitkräfte in die Region.

Zudem legten vier serbische Bürgermeister und Gemeindevertreter im Nord-Kosovo ihre Ämter nieder — wiederum wegen der inzwischen ausgesetzten Kfz-Kennzeichenverordnung. Die für Ende Dezember angesetzten Neuwahlen auf Kommunalebene wurden zur Kraftprobe und mittlerweile auf April verschoben. Offenbar, um die Situation zu entschärfen.

Lage im Kosovo vor Eskalation: Straßenblockaden und Schusswechsel

Im Norden des Kosovo blockierten zudem offenbar aufgebrachte ethnische Serben Landstraßen. Sie reagierten damit auf die Verhaftung eines ethnischen Serben, bis vor Kurzem kosovarischer Polizist, der für Angriffe auf geplante Wahllokale verantwortlich sein soll. „Extremistische Gruppen“ hätten in den Orten Leposavic, Zvecan und Zubin Potok Barrikaden errichtet, schrieb Innenminister Xhlelal Zvecla bei Facebook. Wegen der Barrikaden sei der nördliche Grenzübergang Jarinje geschlossen worden, teilte die Polizei mit.

Am Dienstag hatten zudem militante Serben mit Schüssen in die Luft Wahlhelfer und Polizisten vertrieben, die die Wahlen vorbereiten wollten. Daraufhin verstärkte Kosovos Polizei ihre Einsatzkräfte im Nordteil der geteilten Stadt Mitrovica. 300 zusätzliche Polizisten bezogen Stellungen in den von Albanern und Bosniaken bewohnten Ortsteilen in der ansonsten mehrheitlich serbischen Stadthälfte.

Serbien ist bis heute nicht bereit, die seit 2008 bestehende Eigenstaatlichkeit des Kosovos anzuerkennen. Das kleine Balkanland ist heute fast ausschließlich von Albanern bewohnt. In der Enklave von Nord-Mitrovica, die unmittelbar an Serbien grenzt, betreibt Belgrad eigene Machtstrukturen, die sich auf militante Aktivisten und Kriminelle stützen. Diese errichten immer wieder Straßenblockaden und brechen gewalttätige Zwischenfälle vom Zaun. (rjs/dpa)

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