Kosovo: Serbien sucht friedliche Lösung

+
Der serbische Präsident setzt im Kosovo-Konflikt auf Dialog

Belgrad - Einen Tag nach Ausschreitungen im Grenzgebiet des Kosovo, hat das serbische Parlament eine Sondersitzung einberufen. Dieses verabschiedete trotz einiger Schwierigkeiten eine friedliche Erklärung.

Der serbische Präsident Boris Tadic will den Grenzkonflikt mit dem

Kosovo nicht mit Gewalt lösen. Bei einer Sondersitzung im Parlament am Sonntag sagte er, Serbien wolle keinen neuen Krieg in der Region führen. Stattdessen setze das Land auf eine friedliche Lösung der ethnisch motivierten Auseinandersetzung.

“Wenn ich sage, dass Serbien keinen Krieg führen wird, dann sage ich etwas, das jeder (serbische) Politiker jeden Morgen sagen sollte“, sagte Tadic. Nach den Kriegen, die mehreren hunderttausend Menschen auf dem Gebiet des ehemaligen Jugoslawiens das Leben gekostet hätten, schließe er sich der Mehrheit auf dem westlichen Balkan an, für die klar sei, dass es zu Frieden keine Alternativen geben dürfe.

Zuvor hatten nationalistische serbische Abgeordnete die NATO, EU-Vertreter im Kosovo und die örtlichen albanischen Behörden für die Gewalt in der vergangenen Woche verantwortlich gemacht. Das Parlament in Belgrad verabschiedete schließlich aber eine Erklärung, derzufolge es in dem Konflikt auf Dialog setzen will. Der Konflikt begann, als die Sicherheitskräfte des Kosovos in einer Nacht- und Nebelaktion zwei Grenzübergänge unter ihre Kontrolle brachten. Bei den Auseinandersetzungen wurde ein Mensch getötet. Das Kosovo hatte sich 2008 unabhängig erklärt, wird von Serbien aber nicht anerkannt.

Der seit 2008 schwerste Konflikt zwischen Serbien und dem Kosovo hatte zunächst als Handelsstreit begonnen, in dem es unter anderem um die gegenseitige Anerkennung von Zollstempeln ging. In der vergangenen Woche schaukelte sich die Lage gefährlich auf. In einer Nacht- und Nebelaktion rückten kosovarische Sondereinheiten an die Grenze vor, um zwei Kontrollposten zu sichern. Am Dienstag kam ein kosovarischer Polizist bei gewaltsamen Auseinandersetzungen ums Leben, am Mittwoch setzten etwa 200 aufgebrachte Serben einen Grenzposten in Brand.

Proteste gegen Eingreifen internationaler Truppen

Am Donnerstag kehrte zunächst wieder Ruhe ein, nachdem Soldaten der internationalen Kosovo-Schutztruppe KFOR die Grenzübergänge gesichert hatten. Aus Protest gegen das Eingreifen der von der NATO geführten Schutztruppe in den Grenzkonflikt hinderten hunderte Serben am Freitag mit einer Straßenblockade die Rückkehr eines Konvois in seinen Stützpunkt.

KFOR-Kommandeur Generalmajor Erhard Bühler habe den Rückzug der Truppen angeordnet, um ein “Blutbad zu verhindern“, sagte NATO-Sprecher Hauptmann Hans Wichter am Freitagabend. “Es gibt dort viele radikale Elemente und Menschen, die bereit sind, Gewalt gegen Soldaten anzuwenden“, sagte Wichter weiter. Der serbische Kosovo-Unterhändler Borislav Stefanovic beschrieb die Lage als “dramatisch“ und “am Rande des Ausbruchs von Kämpfen“.

dapd

Das könnte Sie auch interessieren

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.