Krankenversicherung: Hilfe für Hunderttausende in Notlagen

Berlin. Menschen, die seit jeher oder vorübergehend ohne Krankenversicherung waren, und alle die mit ihren Beiträgen im Rückstand sind, können das bis Ende 2013 ändern. Seit Anfang August bis 31. Dezember gilt ein Schuldenerlass, der Betroffenen im Extremfall mehrere tausend Euro erspart.

Details zur Umsetzung und Infos für Verbraucher sollen die Kassen bis 15. September vorlegen.

Diese Tür öffnet ein Gesetz, das mehreren Hunderttausend Menschen aus Zwangslagen helfen soll. Laut Ärztezeitung schleppen deutlich mehr als eine halbe Million freiwillig gesetzlich Versicherter (GKV) Beitragsschulden mit sich herum. Dazu kommen knapp 150 000 Nichtzahler in der Privatversicherung (PKV). Diese Gruppe wird laut Bundesgesundheitministerium jedes Jahr um 3000 größer. Schließlich die gar nicht Versicherten: Ihre Zahl bezifferte das Ministerium gegenüber unserer Zeitung auf 137 000 im vergangenen Jahr – Tendenz fallend. Beitragsrückstände bei GKV und PKV gehen in die Milliarden.

Pflicht seit 2007

Seit 2007 ist in Deutschland jeder selbst für seinen Krankenversicherungsschutz verantwortlich. Lücken drohen nicht nur Selbstständigen, die mangels Aufträgen keine Beiträge mehr zahlen können. Auch erwachsene Kinder, die aus Altersgründen oder nach ihrer Berufsausbildung nicht mehr über ein Elternteil versichert sind, müssen sich um nahtlosen Anschluss kümmern. Ehepartner, deren Familienversicherung endet, sollten ebenfalls aufpassen.

Nun gilt: Wer sich bis Silvester neu bei einer Kasse meldet, dem werden rückständige Beiträge seit April 2007 und Säumniszuschläge von fünf Prozent je Monat erlassen.

Versicherte, die bei der GKV mit Beiträgen im Rückstand sind, behalten einen Basisschutz. Ihnen wird jetzt immerhin bei den Säumniszuschlägen geholfen: Die wurden bislang mit fünf Prozent pro Monat angesetzt. Nun sollen die Kassen nur noch ein Prozent verlangen. Macht auch noch stolze zwölf Prozent im Jahr.

Beitragsschuldner der PKV werden nach einem Mahnverfahren in den sogenannten Notlagentarif überführt. Der konzentriert sich laut Ärztezeitung vor allem auf die Akutversorgung - mit niedrigeren Prämien und mit Rückkehrchance in den alten Tarif.

Wer sich privat neu versichert, der bekommt den sogenannten Prämienzuschlag erlassen. Der errechnet sich aus nicht gezahlten Prämien der unversicherten Zeit seit 2009.

Die Uhr tickt: Wer die Chance zum Eintritt in GKV oder PKV verstreichen lässt, dem werden Beitragsschulden nach dem 31. Dezember zwar ermäßigt, aber nicht mehr vollständig erlassen.

Von Wolfgang Riek

Rubriklistenbild: © picture-alliance/ dpa

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