Kasparow nennt Putin Krebsgeschwür

Nemzow-Mord: Neues Video soll Tatort zeigen

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Trauer um Boris Nemzow.

Washington - Ex-Schachweltmeister Garri Kasparow hat Wladimir Putin bei einer Anhörung im US-Senat hart attackiert. Ein Video soll den Mord an Kremlkritiker Boris Nemzow aus einer anderen Perspektive zeigen.

Kasparow galt lange als treibende Kraft der liberalen Opposition in Russland.

Der Kreml-Gegner Kasparow bezeichnete "Putin und seine Eliten" als "Krebsgeschwür", das entfernt werden müsse. "Man kann nicht mit einem Krebsgeschwür verhandeln", sagte der Oppositionelle vor den Mitgliedern der Kongresskammer. Auch die russischen Oligarchen, die Putin unterstützen, müssten zu der Entscheidung gezwungen werden, sich entweder von ihm abzuwenden oder selbst ins Abseits zu geraten.

Der Westen setze seine "Politik der ausgestreckten Hand" fort, beklagte Kasparow. Das habe Putin in seinem Handeln gestärkt und "unsere Oppositionsbewegung delegitimiert". Er bezeichnete die Lage in der Ukraine als natürliche Folge des "Polizeistaats" in Russland und forderte, dass Kiew schnellstmöglich mit Waffenlieferungen unterstützt wird.

Zu dem Mord an Nemzow sagte der Oppositionelle, dieser sei getötet worden, "weil er getötet werden konnte". Die russische Führung sei der Ansicht, dass sie nach 15 Jahren an der Macht, alles tun könne. "Es gibt keine rote Linie mehr." Die Russen wollten in Freiheit leben, aber "eine Diktatur zu besiegen, die globalisiert, reich an Energie und stark angesichts der stillschweigenden Unterstützung der freien Welt ist, ist zu viel verlangt", sagte Kasparow.

Neues Video: Ist das der Tatort Minuten nach dem Mord? 

Unterdessen ist ein Video vom Tatort des Mordes an Nemzow aufgetaucht. Der Clip, der einem Blogger zugespielt wurde und der auch auf Youtube zu finden ist, wurde offensichtlich mit einer Kamera auf dem Armaturenbrett eines Autos gemacht, das über die Moskauer Brücke fährt. Man erkennt am rechten Straßenrand eine Kehrmaschine, hinter der ein Kombi stehenbleibt, Menschen hasten vorbei, zu erkennen sind sie aber nicht. Laut der Uhr am Bildschirmrand hat sich genau dort nur kurz davor der Mord an dem Putin-Kritiker abgespielt.

Der Fahrer des Kamera-Wagens ist nicht bekannt, sogenannte "dashcams" sind in Russland aber keine Seltenheit.

Weitere Sanktionen gegen Moskau?

Die Senatsanhörung hatte offiziell die "russische Aggression in Osteuropa" zum Thema. Dies bezog sich unter anderem auf den Konflikt der ukrainischen Armee mit prorussischen Separatisten im Osten des Landes. Der Westen beschuldigt die russische Regierung, die Rebellen militärisch zu unterstützen.

Nuland sagte dazu, Russland habe "abertausende" Soldaten zur Unterstützung der Rebellen in die Ostukraine geschickt. Zudem habe die russische Armee hunderte Militärfahrzeuge und schwere Waffen in die Rebellengebiete verlegt, wo sie über eigene Kommandostrukturen verfüge. Moskau finanziere die Separatisten und heize den Konflikt an, sagte sie. Die USA stünden bereits mit ihren europäischen Partnern in "Konsultationen" über mögliche schärfere Sanktionen gegen Russland.

Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte am Mittwoch weitere Sanktionen gegen Moskau nicht ausgeschlossen, sollte das Abkommen von Minsk verletzt werden. Dieses sieht für die Ostukraine unter anderem eine Waffenruhe und den Abzug schwerer Waffen vor.

afp

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