Standpunkt zur Kriegsgefahr in Nahost: In der Logik der Gewalt

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Keine Regierung der Welt könnte tatenlos zusehen, wie die eigene Bevölkerung andauernd mit Raketen beschossen wird. Genau das aber geschieht schon seit Wochen aus dem Gazastreifen heraus. Die Entführung und Ermordung der drei israelischen Jugendlichen, mutmaßlich durch Hamas-Mitglieder, war keine Einzeltat, sondern gezielter Auftakt der jetzigen Eskalation. Ein Standpunkt von HNA-Nachrichtenchef Tibor Pézsa.

Der israelische Militäreinsatz folgt nun einer Logik der Gewalt, an der radikale palästinensische Kreise mindestens so interessiert sind wie israelische.

Gelitten wird darunter hüben wie drüben. Für Zivilisten macht es keinen großen Unterschied, ob die israelischen Streitkräfte stärker sind als palästinensische Freischärler. Zivilisten leiden auf palästinensischer Seite, weil es im Gazastreifen wirkungsvolle Schutzräume nur für führende Hamas-Leute gibt und weil deren Kämpfer aus Wohngebieten und anderen zivilen Orten heraus operieren. Sie leiden auf israelischer Seite, weil mittlerweile fast die Hälfte der Bevölkerung mit Raketenbeschuss aus Gaza rechnen muss, übrigens auch israelische Araber und im Großraum Jerusalem viele Palästinenser.

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Für Außenstehende wirkt all dies wie der übliche nahöstliche Wahnsinn. Doch wer genauer hinschaut, sieht, dass die Hamas und ihre radikalen Abspaltungen eine Eskalation dringend brauchen, um von ihrem totalen Politikversagen abzulenken: Von syrisch-iranischer Seite kann die Hamas mit keiner Unterstützung mehr rechnen. Von ägyptischer Seite auch nicht - anders als die Israelis, welche ständig lebenswichtige Güter nach Gaza durchlassen, haben die Ägypter ihre Grenze nach Gaza abgeriegelt. Banken aus Katar trauen sich aus Angst vor Sanktionen nicht, zugesagte Milliardenhilfen nach Gaza zu überweisen.

Was hat uns die Hamas gebracht? Das fragen viele Palästinenser immer erbitterter. Zu Recht. Denn der Weg der Gewalt wird kein einziges palästinensisches Problem lösen. Nicht die fortgesetzte, in Teilen räuberische israelische Siedlungstätigkeit, nicht die dramatische politische und wirtschaftliche Perspektivlosigkeit, nicht die Unfähigkeit zum Frieden der Politiker auf beiden Seiten.

Vielleicht ist dies ein noch größerer Schaden als das Leid, das jetzt wieder über viele Unschuldige kommt: Dass niemand mehr an einen möglichen Ausgleich zwischen Israelis und Palästinensern glaubt.

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