Kriegsschauplatz Syrien - die verschiedenen Länder

Verbündete: Syriens Machthaber Baschar al-Assad (li.) bei Russlands Staatschef Wladimir Putin im Oktober im Kreml. Foto: dpa

Der Bürgerkrieg in Syrien dauert fast fünf Jahre. Er ist mittlerweile zu einem Stellvertreterkrieg zahlreicher Mächte und zu einem Anti-Terrorkrieg geworden. Wir beleuchten die verschiedenen Interessen.

Russland

Kreml-Chef Wladimir Putin verfolgt eigene Ziele in Syrien.

Erstens: Mit Luftangriffen gegen Rebellengruppen stützt Moskau seinen Verbündeten, Syriens Machthaber Baschar al-Assad. Offiziell wurden diese Luftangriffe als Krieg gegen die islamistische Terrormiliz IS deklariert. Doch nur die wenigsten Luftschläge galten wohl dem IS.

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Zweitens: Moskau konnte mit den Luftangriffen und eigenen Truppen seine Militärbasis in Syrien sichern. Sie ist Russlands einziger direkter Zugang zum Mittelmeer und so etwas wie der geostrategische Anker des Kreml im Nahen Osten.

Drittens: Das Mitmischen im Syrien-Krieg bedient Putins Anspruch, Russland müsse auf der politischen Weltbühne eine mitentscheidene Rolle spielen. Er will den übrigen Großmächten China und vor allem der USA auf Augenhöhe begegnen.

Viertens: Russlands Aktivitäten in Syrien lenken vom völkerrechtswidrigen Vorgehen auf der Krim und vom Separationskrieg in der Ost-Ukraine ab. Sollte Russland in Syrien vom Westen auf Dauer als Bündnispartner gebraucht werden, könnte sich Putin das entlohnen lassen: mit Aufhebung der Ukraine-Sanktionen und Zugeständnissen des Westens im Ukraine-Konflikt.

Fünftens: Russland ist nicht nur indirekt wegen des Ukraine-Konflikts an einem Bündnis interessiert. Moskau möchte auch seine Schlagkraft in Syrien mit Hilfe westlicher Mächte erhöhen, um dem IS irgendwann beikommen zu können. Denn der Anschlag auf die russische Passagiermaschine über dem Sinai hat gezeigt, dass auch russische Bürger im Fadenkreuz des IS sind.

Der Kreml befürchtet Anschläge von nach Russland einreisenden oder zurückkehrenden islamistischen Kämpfern, etwa von Tschetschenen.

USA

Die Amerikaner führen die Allianz aus westlichen und irakischen Staaten gegen den IS an. Mit Angriffen in Syrien und im Irak unterstützt die US-Luftwaffe vor allem die Kurden und die irakische Armee. Im Irak sind US-Militärberater im Einsatz, auch nach Syrien wurden Berater und Militärausbilder geschickt. Das Vorhaben, in Syrien rivalisierende Rebellengruppen gegen Assad sowie gegen den IS vereinen zu können, schlug bisher fehl.

Es gibt Berichte, die einen Zusammenhang zwischen dem US-Luftkrieg im Nordirak und den US-Interessen im dortigen Kurdengebiet herstellen: Erst als die Kurdenhochburg Erbil von der IS-Miliz bedroht worden sei, habe US-Präsident Barack Obama Befehle für massive Luftschläge erteilt. US-Firmen, die dort investiert hatten, hätten ihn darum gebeten.

Frankreich

Auch die französische Luftwaffe bombardiert IS-Stellungen seit September dieses Jahres in Syrien und im Irak. Die Luftschläge gelten jetzt als Selbstverteidigung gegen die Terrormiliz, die Frankreich in Paris angegriffen hat. Nach den Anschlägen will Frankreichs Regierung die Schlagkraft erhöhen. Europäische Partner sollen in Syrien helfen oder direkt eingreifen.

Frankreichs Regierung hat lange und hartnäckig gefordert, dass Syriens Machthaber Assad besiegt werden müsse. Nach den Pariser Anschlägen gibt es aber auch Stimmen aus der Regierung, nicht nur gemeinsam mit Russland, sondern auch mit Assads Truppen den IS zu bekämpfen.

Dahinter steht die Überlegung, dass Luftangriffe allein keinen Erfolg gegen den IS bringen würden. Die Miliz sei - wenn überhaupt - nur mit Bodentruppen zu besiegen. Auch die Schlagkraft der kurdischen Truppen im Irak und in Syrien werde dafür nicht ausreichen. Wenn weder westliche noch arabische Mächte Bodentruppen stellen wollten, würden neben den kurdischen Kämpfern nur Assads Truppen und die Privat-Milizen alawitischer Warlords, die das schiitisch-alawitische Regime Assads stützen, als zweckdienliche Verbündete übrig bleiben.

Deutschland

Seit den Anschlägen von Paris auch Akteur im syrischen Krieg. Hat Frankreich Unterstützung im Kampf gegen den IS versprochen und sehr schnell konkrete Zusagen gemacht: Tornado-Aufklärungsflugzeuge, eine Fregatte, mindestens ein Tankflugzeug zur Betankung von Bombern der Anti-IS-Allianz. Der Einsatz bindet bis zu 1200 Soldaten.

Im Nordirak unterstützt die Bundesregierung seit fast einem Jahr die Kurden mit Waffenlieferungen und lässt kurdische Kämpfer, die Peschmerga, von Bundeswehrsoldaten für den Bodenkampf gegen den IS ausbilden.

Kurden

Im Nordirak: Leben im autonomen Kurdengebiet, ihre Kämpfer verteidigen die Region am Boden bisher einigermaßen erfolgreich. Werden von der Anti-IS-Allianz unterstützt.

In Syrien und der Türkei: Konnten in Syrien unter Assad weitgehend unbehelligt leben, führten dramatische Schlachten um die Grenzregion gegen den IS. Sind mit der in der Türkei und im Westen verbotenen und als Terror-Organisation eingestuften kurdischen Arbeiterpartei PKK verbunden. Werden deshalb auch von der türkischen Luftwaffe angegriffen. Die Türkei und die PKK haben ihren Waffenstillstand aufgekündigt und bekämpfen sich mit Bombardierungen und Terroranschlägen. Die Türkei fürchtet die Bildung eines Kurdenstaates und damit den möglichen Verlust eines Teils des türkischen Staatsgebietes.

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