Kritik an Altersbegrenzung bei Deutschkursen für Flüchtlinge

In Hessen gibt es Sprachkurse für 16 bis 18-Jährige. Doch was ist mit den Älteren? Unser Bild zeigt eine Klasse in Berlin. Foto: dpa

Wiesbaden. Die Sprache ist der Grundstein für eine erfolgreiche Integration von Zuwanderern. Problem: Das Deutschprogramm des Kultusministeriums für Zuwanderer richtet sich nicht an über 18-Jährige.

Deshalb hat das Kultusministerium ein Förderprogramm zum beginnenden Schuljahr an den beruflichen Schulen auf Weg gebracht. Lehrergewerkschaften und Sozialverbände kritisieren, dass Flüchtlinge wegen der Altersvorgaben durch das Raster fallen. „Integration und Abschluss“ heißt das Programm.

Es richtet sich an Menschen - Flüchtlinge, aber auch andere EU-Zuwanderer - die kein Deutsch können und zwischen 16 und 18 Jahre alt sind. „Seiteneinsteiger“ werden sie vom Kultusministerium genannt. Sie erhalten Intensiv-Sprachkurse und könne nach zwei Jahren einen Hauptschulabschluss ablegen.

Doch was ist mit den älteren Flüchtlingen? Die Frage stellen sich der Sozialverband Caritas und die Lehrergewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft (GEW). Mit dem vorherigen EU-Programm Eibe (Programm zur Eingliederung in die Berufs- und Arbeitswelt), das in diesem Jahr ausgelaufen ist, habe man auch Flüchtlinge bis zum Alter von 21 fördern können. Auch, wenn das dafür ursprünglich nicht vorgesehen war. Mit Intea sei das nicht möglich, kritisiert die GEW-Landesvorsitzende Birgit Koch. Auch von den Caritas-Verbänden in Hessen wird diese Kritik laut. Laut Mitteilung des Kultusministeriums richtet sich Intea an Personen, die bei der Einreise mindestens 16 sind aber noch nicht das 18. Lebensjahr vollendet haben. Wer kurz vor dem 18. Lebensjahr steht, kann aber trotzdem an Intea teilnehmen, teilte Stefan Löwer, Sprecher des Kultusministeriums mit. Zudem gibt es eine „begrenzte“ Aufnahme von 18 bis 21-Jährigen. Man könne aber nicht alle erwachsenen Zuwanderer fördern, sagte Löwer. Da ende die Zuständigkeit der Schule. Wer das fordere, müsse sagen, wo die Ressourcen dafür herkommen sollten.

Die Zahlen zeigen, dass die Nachfrage wächst: In Hessen nahmen im vergangenen Jahr 10 668 Seiteneinsteiger an Intensivmaßnahmen des Landes teil. Im Jahr zuvor waren es 6785. „Intea ist der richtige Schritt, aber ich kann die Kritik verstehen, dass die Klassen aufgrund der steigenden Flüchtlingszahlen nicht ausreichen könnten“, sagt Mürvet Öztürk (Grüne), die in ihrer Fraktion zuständig für Migration und Integration ist. Man müsse sich auch um die Frage kümmern, was mit den Menschen ab dem 18 Jahren passiert, die Deutsch lernen und ihren Abschluss nachholen wollen. Der Jugendmigrationsdienst Caritasverband Nordhessen-Kassel hat inzwischen eine Unterschriftenaktion ins Leben gerufen, um auf das Thema aufmerksam zu machen.

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