K+S-Salzabwässer: Umweltbundesamt setzt Fragezeichen hinter Eindampfung

Kassel/Berlin. Salzabwässer der Kaliindustrie komplett eindampfen, besser verwerten und dann den Rest zurück in den Berg? Zwischen einem „Weiter so wie bisher“ und dem Bau einer Abwasserpipeline zur Nordsee halten vor allem der Verein der Werra-Weser-Anlieger (WWA) und Niedersachsens Politik diese Idee seit Jahren im Spiel.

Gestern hat sich das Umweltbundesamt (UBA), beauftragt von Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD), zur Eindampfstrategie geäußert. Fazit: Technisch machbar, nötige Vorarbeiten würden aber vier bis fünf Jahre dauern. Zum großtechnischen Einsatz sei die Eindampfung nicht genügend untersucht. Das UBA sieht zudem niemanden, der diese Vorarbeiten bezahlen würde, die Gesamtkosten der Strategie seien unklar - also kein Weg, um dem Druck der EU-Kommission, die sauberere Flüsse will, verlässlich zu entkommen. Das UBA: Chancen „eher gering“.

Das Nordsee-Rohr zur Entsorgung von Kali-Salzabwässern aus Osthessen ist bekanntlich vom Tisch. Hessens Umweltministerin Priska Hinz (Grüne) und Norbert Steiner, Vorstandschef des Kasseler Kali- und Salzproduzenten K+S, haben stattdessen kürzlich einen neuen Plan vorgelegt. Er sagt weitere Abwasserreduzierung im Kaliwerk Werra zu, zugleich sollen Werra und Weser aber noch auf Jahrhunderte die Salzflut wegschwemmen - nach 2060 und dem Ende der Produktion nur noch von den riesigen Abraumhalden.

Diesen umstrittenen Schwenk von Schwarz-Grün an der Werra debattierte am Mittwoch auch der hessische Landtag: Die Linken-Abgeordnete Marjana Schott warf Umweltministerin Priska Hinz (Grüne) vor, die Einigung habe nichts mit Umweltschutz und der Sicherung von Arbeitsplätzen zu tun. Die Umweltexperten der Regierungsfraktionen von CDUund Grünen verteidigten dagegen das Ergebnis. Es sei ein Ausgleich zwischen Ökologie und Ökonomie erreicht worden. Die Einigung sieht einen Stufenplan über 60 Jahre bis zum Jahr 2075 vor. Die Salzabwasser-Einleitung soll dann - nach Ende der Kaliproduktion an der Werra - auf 1,5 Mio. Kubikmeter jährlich gesenkt sein. Diese 1,5 Mio. Kubikmeter würden aber laut diesen Plänen von den Halden weiter in den Fluss geleitet - vermutlich über Jahrhunderte, bis die Halden vom Regen weggewaschen wären. (wrk)

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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