Ausstellungen würdigen das Werk von Jugendstil-Maler Heinrich Vogeler

Künstler und Visionär

Macherin: Beate C. Arnold stellte die Ausstellung über den Maler Heinrich Vogeler zusammen. Foto: dpa

Worpswede. Tiefe Brüche durchziehen Heinrich Vogelers Schaffen. Sein Leben lang zweifelte er – an seiner Kunst und der Welt. Er versuchte sich als Maler, Architekt, Designer und Grafiker. Er war Kommunist, Sozialreformer und ein ewiger Träumer.

Eine Herausforderung für jeden, der versucht die Vielschichtigkeit dieses Künstlers einzufangen. In Worpswede erinnern deshalb gleich vier Museen in einer gemeinsamen Ausstellung an sein bewegtes Leben. Mehrere Häuser in Bremen ergänzen die umfassende Werkschau. Vor 140 Jahren wurde Vogeler geboren, vor 70 Jahren starb er im Exil. „Künstler, Träumer, Visionär“ haben die Worpsweder Kuratoren die Sonderausstellung zum Doppel-Jubiläum übertitelt, die in dem Künstlerdorf bei Bremen mit mehr als 300 Exponaten eröffnet wurde.

In Schlagworten ist damit zusammengefasst, was sich trotz der scheinbaren Widersprüche als roter Faden durch Vogelers Werk zieht. „Er hat viel gehadert, aber nie aufgehört“, sagte Kuratorin Beate Arnold. Als Künstler stürzte Vogeler in tiefe Krisen, seine Familie zerbrach und seine Vision von einer besseren Welt erfüllte sich nicht.

Dennoch erfand sich Heinrich Vogeler immer wieder neu. Vom romantischen Jugendstil-Maler wandelte er sich zum Vertreter des sozialistischen Realismus, auch Einflüsse vom Impressionismus und dem Kubismus sind zu erkennen.

In frühen Jahren inspirierte ihn vor allem seine Muse und Ehefrau Marta. Immer wieder stellte Vogeler sie in einer Märchenwelt dar, zu sehen in einem Ausstellungsteil im „Haus im Schluh“.

Mit dem „Barkenhoff“ schuf er für seine Familie ein Gesamtkunstwerk, das er auch immer wieder in seinen Bildern festhielt. Doch die dort gezeigten Exponate erzählen auch vom Wandel.

Nach dem Ersten Weltkrieg gründete Heinrich Vogeler auf dem „Barkenhoff“ eine Kommune, der Jugendstil-Garten wurde zum Acker. Seine Zeit in Moskau steht in der „Großen Kunstschau“ im Mittelpunkt. 1924 malte Vogeler mit „Winterkulturkommando“ sein erstes Komplexbild, das Szenen aus dem Bauernalltag mit kommunistischer Agitation prismenartig anordnet.

Kampf gegen die Nazis

„Er stellt seine Kunst in den Dienst der Politik“, erläuterte Kurator Björn Hermann. Offensiv setzte er sich für eine neue Weltordnung ein und bekämpfte von der Sowjetunion aus den Nationalsozialismus. Ein Porträt dieses politischen Vogelers zeichnet die Kunsthalle in einem vierten Ausstellungsteil. (lni)

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