Interview mit Merian-Chefredakteur Andreas Hallaschka über die Attraktivität Hessens

„Kulinarische Schätze wahren“

Regionale Spezialität: Ahle Worscht. Archivfoto: nh

    Herr Hallaschka, wo liegen die touristischen Stärken Hessens?

     Andreas Hallaschka: Hessens besondere Stärke liegt im Norden. Denn hier ist die Natur unzerstört, nicht verbraucht und wunderschön. Dank der bäuerlichen Tradition mit wenig Kraftwerken und Industrie hält sich die Umgestaltung der Landschaft hier bisher im Rahmen. Beispielsweise gibt es kaum Zersiedelung des Landes durch Autobahnen.

    Vor wenigen Tagen ist die Baugenehmigung für einen weiteren Abschnitt der A44 erteilt worden, die diagonal durch Nordhessen führt.

     Hallaschka: So ein Projekt mit abenteuerlichen Konstruktionen durch die Botanik mindert natürlich den Faktor der unverbrauchten Landschaft enorm.

Kann Nordhessen denn noch mit anderen Attraktionen punkten?

    Hallaschka: Ja, natürlich. Mit zwei Dingen: Einmal den vielen kleinen Fachwerk-Schmuckkästchen wie Fritzlar und Melsungen. Zum anderen mit Kulinarischem. Viele Betriebe arbeiten noch nach ganz alter handwerklicher Tradition, man denke nur an die Ahle Worscht. Das kennen die Menschen in Großstädten gar nicht mehr. Ich wohne in Hamburg, da muss man weit fahren, bis man einen guten Metzger findet, die meisten kaufen ihre Wurst nur noch im Supermarkt. Auf der Schiene des Essens könnte man auf jeden Fall aufbauen.

Vielen Nordhessen ist gar nicht klar, über welchen kulinarischen Schatz sie sich noch freuen können, den sollte man wahren.

Und worauf kann der Rest von Hessen bauen?

    Hallaschka: Durch das Rhein-Main-Gebiet mit dichter Besiedelung und Industrialisierung werden speziell Städte-Urlauber angesprochen. Wobei Osthessen und der Vogelsbergkreis natürlich auch auf ihre Naturlandschaften setzen können.

Was ist denn Ihr persönlicher Hessen-Tip?

Hallaschka: Als Kasseläner bin ich natürlich am Liebsten im Norden. Ich bin wahnsinnig gerne am Meißner und liebe das Wolfhager Land, das mich mit seinen sanften, geschwungenen Hügeln an die Toskana erinnert. Außerdem mag ich die vielen kleinen Städte wie Bad Wildungen und Bad Arolsen. An Kassel schätze ich vor allem die sensationell guten Museen. Für 2012 habe ich mir fest vorgenommen, den Urwaldsteig rings um den Edersee zu erkunden.

Wer nicht aus Nordhessen stammt, wundert sich oft darüber, wie negativ die Einheimischen ihr Umfeld bewerten.

Hallaschka: Das stimmt. Ich würde mir mehr Selbstbewusstsein für die Region wünschen. Ich denke immer: Wenn man die Region nicht als Nordhessen, sondern unter ihrem historischen Namen Kurhessen vermarkten würde, wäre schon viel gewonnen. Das würde verheißungsvoller wirken, auch unter Gesichtspunkten des Marketing. Nordhessen klingt ein wenig nach Kälte und Sibirien.

Das ist schade, denn was die Lage in der Natur angeht, wohnt der Nordhesse in einer der schönsten Regionen Deutschlands.

Von Sonja Broy

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