Hinter einem Felsspalt in der Einhornhöhle vermuten Forscher weiteres Höhlensystem

Labyrinth vielleicht viel größer

Osterode. Die größte Besucherhöhle im Südharz, die Einhornhöhle bei Scharzfeld im Kreis Osterode birgt noch Geheimnisse. Sie ist vielleicht doppelt so groß wie der bisher erforschte Teil.

„Wir haben jetzt nur 50 Meter vom Besucherweg entfernt in einem Nebengang der Höhle einen winzigen Felsspalt gefunden und sind aufgrund der Sedimentstruktur und durch Georadarmessungen ziemlich sicher, dass er uns zu einem größeren, bisher unentdeckten Höhlensystem führen wird“, sagte der Paläontologe und Geologe Ralf Nielbock von der Betreiber-Gesellschaft der Schauhöhle .

Die Stelle sei so eng, dass zur Zeit nur ein Mann dort stehen und graben könne. „Wir müssen den Lehmboden sehr mühselig eimerweise heraus schaffen,“ sagte Nielbock. „Aber die Mühe lohnt sich, wenn wir den Einstieg zu neuen Hallen oder größeren Gängen finden.“ Das bisherige Höhlensystem ist rund 700 Meter lang.

In der fünf Millionen Jahre alten, natürlich entstandenen, weitläufig mit eiszeitlichen Sedimenten angefüllten Höhle haben nach bisherigen Forschungen vor rund 100 000 Jahren Neandertaler und Höhlenbären gelebt. Nielbock selbst hat dort vor 25 Jahren die ersten Neandertaler-Artefakte gefunden und ist seitdem von der Höhle in den Bann gezogen. Bei einer Grabungskampagne waren Steinwerkzeuge und deutliche Spuren ihrer Herstellung, aber auch Reste von Feuerstellen entdeckt worden.

Sie beweisen zweifelsfrei, dass in der Höhle schon vor der letzten Eiszeit Menschen gelebt haben. Für die Forschung in Niedersachsen ist die Höhle sehr bedeutsam, sagte Nielbock. „Die Funde daraus sind ein regionaler Kalender unserer Lebenswelt von der Altsteinzeit bis heute.“ 2009 hätten sich zahlreiche Wissenschaftler verschiedener Disziplinen aus der ganzen Welt für die riesigen unterirdischen Hohlräume interessiert. Aber auch rund 25 000 Touristen kamen in die Höhle. (lni)

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