Lächelnder Wahlsieger: Cameron hat es geschafft

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Klarer Wahlsieger in Großbritannien: Dacid Cameron

London. Er ist klarer Wahlsieger in Großbritannien und wird mit seinen Konservativen künftig wohl allein regieren: David Cameron.

Das Lächeln David Camerons war noch zurückhaltend, aber vielsagend. Der britische Premierminister hat es geschafft: Seine Tories haben die Unterhauswahl gewonnen, und das viel deutlicher, als Wahlforscher - und sicherlich auch er selbst - vorausgesehen haben. Sein Satz "Das war eine sehr starke Nacht für die Konservativen" auf der kleinen Bühne in seinem Wahlkreis Witney klang bescheiden. In Expertenrunden wurde derweil darüber gesprochen, ob Cameron die Partei bei der Wahl am Donnerstag zu einer absoluten Mehrheit geführt hat.

Cameron – im Tory-blauen Anzug und überraschend frisch nach einer durchgemachten Nacht– las schon einmal ein kleines Regierungsprogramm vor: „Politik für jeden“ wolle er machen und das Vereinigte Königreich zusammenhalten. Und natürlich sein Großprojekt durchziehen: das Referendum über die EU-Mitgliedschaft. Dazu könne es nun schon im kommenden Jahr kommen und nicht wie versprochen spätestens Ende 2017, mutmaßte der Politologe Tony Travers von der London School of Economics.

Während unendlich vieler Wahlkampfauftritte und Interviews hatte Cameron in den vergangenen Wochen vor allem zwei Argumente wiederholt: Nur mit uns bleibt der Wirtschaftsaufschwung - über dessen Nachhaltigkeit sich durchaus streiten lässt. Und: Ohne uns übernehmen die Schotten die Macht. Die Drohung, dass die Nationalpartei SNP Ed Miliband ins Amt hieven und die neue Labour-Regierung fürderhin nach Belieben erpressen könnte, hat die konservative Presse gern als „Albtraum“ und „Höllen-Szenario“ bezeichnet.

Offenbar haben diese Argumente gezogen, obwohl Miliband nicht müde wurde, seine eigene Kompetenz in Sachen Wirtschaft zu betonen und einen Pakt mit den Schotten auszuschließen. Die persönlichen Umfragewerte des Labour-Chefs waren bis ganz zum Schluss höchstens mittelmäßig. Auch Cameron ist kein Liebling des Volks – das Vertrauen in ihn war aber offensichtlich größer.

Als Miliband seinen eigenen Wahlkreis Doncaster North am frühen Morgen gewann, nahm er die Worte „Niederlage“ und „Rücktritt“ zwar nicht in den Mund, die Botschaft war aber klar: „Das war eindeutig eine sehr schwierige enttäuschende Nacht für die Labour-Partei.“ Blass und sichtlich erschöpft stand der 45-Jährige neben seinen Konkurrenten, spielte unsicher an seinen Händen herum, das Lächeln resigniert.

An seine Labour-Kollegen in Schottland gerichtet sagte Miliband: „Es tut mir sehr, sehr leid, was passiert ist.“ Schottische Sitze hatten bisher als sichere Bank für die Sozialdemokraten gegolten.

Es war das erklärte Ziel von Parteichefin Nicola Sturgeon, Cameron aus der Downing Street zu vertreiben. Daraus wird nun nichts. Dass die SNP fast alle der 59 schottischen Parlamentssitze gewonnen hat, wird Großbritannien trotzdem zu schaffen machen, spätestens während des EU-Referendums. Zumindest ein Brexit, also der Ausstieg aus der Union, dürfte zu einem neuen Schottland-Referendum führen – diesmal vielleicht mit anderem Ergebnis. (dpa)

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