Tausende Computer in Niedersachsen betroffen

Land verschläft Umstellung auf Windows 8 - Schaden trägt Steuerzahler

Hannover. Niedersachsen hat für Tausende Behörden-Computer die rechtzeitige Umstellung vom auslaufenden Betriebssystem Windows XP auf Alternativen verpasst. Dadurch muss sich das Land jetzt teure Zusatzleistungen beim Hersteller Microsoft erkaufen.

Opposition und Steuerzahlerbund kritisieren dies als Schlamperei und Geldverschwendung.

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Der Countdown läuft. Am 8. April stellt der US-Software-Riese Microsoft seine Unterstützung für das in die Jahre gekommene Betriebssystem Windows XP ein; es gibt dann keine Sicherheits-Updates mehr. Microsoft hatte das Ende für XP schon 2007 angekündigt. Für seine Großkunden, die eine Umstellung auf moderne Betriebssysteme noch nicht vollzogen haben, verlängert Microsoft aber seine Betreuung mit einem „Custom Support Agreement“ – und lässt sich diesen Vertrag natürlich entsprechend vergüten.

Auch Niedersachsen muss davon Gebrauch machen. Erst in diesem Sommer soll die Umstellung auf Windows 8 beginnen, im Juni 2015 soll sie abgeschlossen sein. Bis dahin ist ein XP-Support erforderlich. Die Vertragsverhandlungen mit der US-Firma stehen nach Angaben des zuständigen Innenministeriums kurzvor dem Abschluss. Betroffen sind rund 7300 Bürorechner in den meisten Ministerien sowie in etlichen Behörden.

Zuständig für diese Computer ist der landeseigene zentrale Dienstleister IT.Niedersachsen (ITN), ein Ableger des zum Jahresende aufgelösten Landesbetriebs für Statistik und Kommunikationstechnologie (LSKN).

Ursprünglich sollte sich der private Dienstleister T-Systems um die Umstellung kümmern. Doch wegen diverser Probleme hatte die rot-grüne Landesregierung diese Verträge im vergangenen Jahr gekündigt und die Aufgabe dem LSKN übertragen. „Diese Schlafmützigkeit muss jetzt der Steuerzahler ausbaden“, kritisiert CDU-Innenexpertin Angelika Jahns. Wie viel das Land für die künftigen Sicherheits-Updates berappen muss, darüber schweigen sich die Verantwortlichen allerdings beharrlich aus. „Das unterliegt dem Betriebs- und Geschäftsgeheimnis von Microsoft“, sagte ein Sprecher von Innenminister Boris Pistorius (SPD) unserer Zeitung.

Einen möglichen Millionenschaden wittert neben der CDU-Fraktion auch der Steuerzahlerbund. Grund des Verdachts: Während im Etat für 2013 noch 6,7 Millionen Euro für die Betreuung von PC-Arbeitsplätzen vorgesehen waren, beträgt diese Summe im aktuellen Haushaltsplan mit 21,5 Millionen Euro mehr als das Dreifache.

Das Innenressort weist dies zurück. Im Etat sei ein Betrag von 12,5 Millionen für neue Hard- und Software enthalten. Die Verlängerung des XP-Supports machten nur „einen sehr kleinen Anteil“ aus. Von einem mittleren sechsstelligen Betrag ist bei IT-Experten die Rede.

Von Peter Mlodoch

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa-tmn

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