Landesparteitag: Stephan Weil erhält als Spitzenkandidat 98,95 Prozent

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Kandidat und Vorbild: Stephan Weil (rechts), derzeit Oberbürgermeister von Hannover, will es Thorsten Albig, seinem Ex-OB-Kollegen aus Kiel, nachmachen und den Posten im Rathaus der Landeshauptstadt mit dem Schreibtisch in der Staatskanzlei tauschen.

Hameln. Den süßen Vorgeschmack auf Glücksgefühle gibt es schon mal. „Glaubt mir, es ist soooo schön, Wahlen zu gewinnen“, ruft der Ehrengast den rund 190 jubelnden SPD-Delegierten in der Rattenfängerhalle von Hameln zu.

Torsten Albig heißt der Einpeitscher, der Sozialdemokrat ist seit vier Wochen neuer Ministerpräsident von Schleswig-Holstein.

Zwei Meter schräg hinter ihm sitzt Stephan Weil, derzeit Oberbürgermeister von Hannover, und lächelt selig. Am 20. Januar 2013 will er es seinem Ex-OB-Kollegen aus Kiel nachmachen und den Posten im Rathaus der Landeshauptstadt mit dem Schreibtisch in der Staatskanzlei tauschen.

Den ersten Schritt dazu vollziehen Niedersachsens Genossen am Samstag in ungewohnter Geschlossenheit, Flügelkämpfe und Bezirksquerelen früherer Zeiten scheinen vergessen. 98,95 Prozent heimst Weil bei seiner Wahl zum Spitzenkandidaten ein, gerade mal zwei Delegierte votieren mit Nein. Glatt geht auch die von den Bezirksfürsten in mathematischer Kleinarbeit ausgetüftelte Landesliste durch, fein austariert nach Geschlechter- und Gebietsproporz. Bei der „verbundenen Einzelwahl“ mit einem einzigen Stimmzettel gibt es keine Kampfkandidaturen; der Unmut im Vorfeld über das Verfahren und einzelne Listenplätze entlädt sich allenfalls verhalten. Einen größeren Dämpfer muss Doris Schröder-Köpf auf Platz zwölf einstecken. 18 Delegierte immerhin votieren gegen sie. „Das stört mich nicht, das sind trotzdem über 90 Prozent“, sagt die Ehefrau von Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder scheinbar unbeeindruckt.

Die Parteioberen tun das als Randnotiz ab, sie zelebrieren lieber strotzende Siegeszuversicht und unbändiges Selbstvertrauen. „Liebe Freunde von der CDU“, ruft der Spitzenkandidat launig. „Zieht euch warm an, wir freuen uns auf die Auseinandersetzung.“ Wie diese aussehen könnte, skizziert Weil in seiner einstündigen Vorstellungsrede: Gegen Studiengebühren, gegen einen Beförderungsstopp bei Polizisten, gegen das Betreuungsgeld, gegen das Streichen von Lehrerstellen, für höhere Pflegeentgelte, für finanziell besser ausgestattete Kommunen – so beschreibt der amtierende Kommunalpolitiker die Unterscheidungsmerkmale zur schwarz-gelben Landesregierung.

Kampfgeist

Rot-Grün sei zum Greifen nah, frohlockt der Spitzenkandidat. „Es liegt noch ein verdammt langer Weg vor uns“, mahnt der Spitzenkandidat zugleich den Kampfgeist der Partei an. Die derzeit guten Umfragewerte seien erfreulich, abgerechnet werde jedoch erst am 20. Januar 2013. Eine Warnung, die offenbar nicht unbegründet ist. „Manche können inzwischen vor Kraft kaum gehen“, raunt eine Delegierte. „Die verteilen ja schon ihre Ministerposten.“

Von Peter Mlodoch

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