Landkarte zeigt: So klingt Niedersachsen

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Auf Klangsuche: Sophie Weste sammelt in der AWD-Arena in Hannover Töne für das Projekt. Zwei Wochen waren 18 Studenten im ganzen Bundesland unterwegs.

Hannover. Krabbenpulen an der Nordsee, das Zirpen von Grillen, Torjubel im Fußballstadion oder die Arbeit im Getreidesilo. Niedersachsen kann zart klingen oder ohrenbetäubend laut.

Eine Klanglandkarte im Internet dokumentiert nun erstmals die vielfältigen Geräusche zwischen Harz und Meer. 18 Studenten sind dafür rund zwei Wochen mit Aufnahmegeräten quer durch das ganze Land gefahren. Mehr als 520 tönende Beispiele brachten sie bislang mit.

„Die Ursprungsidee war, herauszufinden, wie Niedersachsen klingt“, erläuterte die Geschäftsführerin vom „Musikland Niedersachsen“, Lydia Grün, am Freitag. Daraus entstand ihren Angaben nach ein bundesweit einmaliges Projekt: ein Atlas zum Anhören. „Es gibt kein Bundesland, das versucht, eine Klangtopographie zu schaffen.“

Fast 21.000 Kilometer haben die neun Teams auf ihren Touren schon zurückgelegt. Sie begleiteten unter anderem die Schützen in Celle, fuhren mit dem Fahrstuhl im Hannoveraner Rathaus, stapften durchs Wattenmeer und hielten ihre Mikrofone einfach mal einer Ziege vors Maul.

Dabei brachten sie auch Aufnahmen mit, die selbst für eingefleischte Niedersachsen überraschend sind. „Ich wusste gar nicht, dass im Harz gejodelt wird“, sagte Grün. Niedersachsens klangvolle Aushängeschilder wie die Orgel im Hildesheimer Dom, der zum Weltkulturerbe gehört, waren natürlich gesetzt. Auf andere Geräusche stießen die „Soundscouts“ dank der zahlreichen Tipps von Bürgern. „Eine Dame von Langeoog hat uns gemeldet, dass der Sand vor ihrem Fenster singt“, erzählte Grün. Also fuhr ein Team auf die ostfriesische Insel, nahm den im Wind singenden Sand auf und verewigte gleich noch eine Vogelkolonie auf Band.

Ihre Kollegen in Osnabrück hatten dagegen die wohl größte Herausforderung zu bewältigen. Wie hält man die Stille im Dom fest? Doch ganz mucksmäuschenstill ging es im Gotteshaus dann doch nicht zu. Auf der Aufnahme ist zum Beispiel der Windzug zu hören.

Mittlerweile haben die Klangsucher in Niedersachsen ihre Arbeit beendet. Doch das Projekt geht nach der Tonsafari noch weiter. Ab Herbst werden Komponisten aus den an einem Ort gesammelten Geräuschen den Sound einer Stadt basteln. Außerdem sollen Schulklassen die Klänge für den Musikunterricht nutzen können, um daraus Hörspiele oder kleine Kompositionen zu erstellen.

Der Niedersachsen-Atlas ist ein Projekt der Niedersachsen-Stiftung, des Landes und der Sparkassenstiftung. Zu den Partnern gehören auch die Göttinger Händel-Festspiel. (lni/gör)

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