AfD zieht im Ländle in den Landtag ein

Landtagswahl Baden-Württemberg: Kretschmanns Triumph

+
Historischer Sieg für Winfried Kretschmann und die Grünen bei der Landtagswahl 2016 in Baden-Württemberg.

Stuttgart - Die Landtagswahl 2016 in Baden-Württemberg hat einen deutlichen Sieg für die Grünen als Ergebnis. Winfried Kretschmann wird nach wohl in Zukunft weiterregieren.

Winfried Kretschmann gelingt ein historischer Sieg: Der baden-württembergische Ministerpräsident macht die Grünen erstmals zur stärksten Kraft in einem Bundesland und hat gute Chancen, im Amt zu bleiben. Geschafft hat er das mit seinem landesväterlichen Auftreten - so scheute er sich auch nicht, die politische Konkurrenz von der CDU zu loben.

"Die Baden-Württemberger haben Geschichte geschrieben und die Grünen zur stärksten Kraft im Lande gemacht", freute sich Kretschmann am Sonntagabend. Schließlich war der gesamte Wahlkampf auf den 67-Jährigen zugeschnitten: "Grün wählen für Kretschmann", lautete die Kernbotschaft.

Die enorme Beliebtheit des Landesvaters war der Grundstein für seinen Erfolg. Wenn der Ministerpräsident direkt gewählt würde, hätte Kretschmann den Umfragen zufolge meilenweit vor seinem CDU-Herausforderer Guido Wolf gelegen.

In der Flüchtlingskrise, die auch den Wahlkampf im Südwesten prägte, stellte sich der Ministerpräsident unmissverständlich hinter den Kurs von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). "Wir müssen alle Kraft in eine europäische Lösung legen", mahnte Kretschmann. Da fiel es ihm leicht, gegen den CDU-Spitzenkandidaten zu punkten, der in dieser Frage schlingerte.

In seinen Wahlkampf-Reden spannte Kretschmann beim Thema Flüchtlinge den großen Bogen von der Landespolitik bis zum Schicksal Europas und sprach vom "pragmatischen Humanismus", der ihn dabei leite. Er mahnte, in Krisenzeiten den Konsens zu suchen, und forderte zugleich mit Blick auf die sexuellen Übergriffe in der Silvesternacht in Köln, "klare Kante" zu zeigen.

Kretschmann trat im Wahlkampf als Staatsmann und Landesvater auf, der nüchtern und sachlich deutlich machte, worum es aus seiner Sicht geht. "Die Menschen sind oft einfach froh, wenn man ihnen die Zusammenhänge erklärt und sagt, warum wir die Politik der Bundeskanzlerin unterstützen", sagte der Ministerpräsident. Das passt dazu, wie er gerne sein eigenes Politikverständnis beschreibt: "Politik muss nicht Spaß machen, sondern Sinn."

Kretschmann, der entschieden für den Kurs der Kanzlerin eintritt, ist selbst ein Flüchtlingskind. Seine Eltern flohen aus Ostpreußen und fanden in Spaichingen am Fuß der Schwäbischen Alb eine neue Heimat. Nach dem Abitur studierte Kretschmann Biologie und Chemie für das Lehramt an Gymnasien und unterrichtete später in verschiedenen Städten.

Politisch aktiv war er bereits als Student und gehörte 1979 zu den Mitgründern der Grünen in Baden-Württemberg. Bereits 1980 zog er erstmals in den Stuttgarter Landtag ein. Von 1986 bis 1988 war er Grundsatzreferent des damaligen hessischen Umweltministers und späteren Außenministers Joschka Fischer (Grüne).

Super-Wahlsonntag: Die Politiker geben ihre Stimmen ab

Landtagswahl 2016
André Poggenburg (AfD) in Sachsen-Anhalt. © dpa
Landtagswahl 2016
Bernd Riexinger (Die Linke) in Baden-Württemberg. © dpa
Landtagswahl 2016
Daneil Köbler (Grüne) in Rheinland-Pfalz. © dpa
Landtagswahl 2016
Guido Wolf (CDU) in Baden-Württemberg. © dpa
Landtagswahl 2016
Hans-Ulrich Rülke (FDP) in Baden-Württemberg. © dpa
Landtagswahl 2016
Jochen Bülow (Die Linke) in Rheinland-Pfalz. © dpa
Landtagswahl 2016
Gut gelaunt hat die rheinland-pfälzische CDU-Spitzenkandidatin Julia Klöckner in ihrer Heimat Bad Kreuznach ihre Stimme abgegeben. „Soll ich sagen, wen ich gewählt habe?“, scherzte sie mit den anwesenden Journalisten am Sonntagvormittag. Sie sei in freudiger Erwartung, aber nicht nervös, sagte die 43-Jährige. „Wir haben das getan, was wir tun konnten. Jetzt liegt die Entscheidung in den Händen der Wähler.“ Die Christdemokratin will Ministerpräsidentin Malu Dreyer von der SPD in der Staatskanzlei ablösen. SPD und CDU liegen nach jüngsten Umfragen fast gleichauf. © dpa
Landtagswahl 2016
Katrin Budde (SPD) in Sachsen-Anhalt. © dpa
Landtagswahl 2016
Die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) hat am Sonntag in Trier ihre Stimme für die Landtagswahl abgegeben. „Ich bin ganz gespannt auf heute Abend“, sagte Dreyer. „Ich bin froh gelaunt und schon zuversichtlich, wir haben alles gegeben.“ Die Regierungsbildung werde nach der Wahl „wahrscheinlich nicht einfach“. Dreyer lebt mit ihrem Mann, dem früheren Trierer Oberbürgermeister Klaus Jensen (SPD), seit vielen Jahren im Schammatdorf in Trier, einem Wohnprojekt mit rund 300 Bewohnern. © dpa
Landtagswahl 2016
Nils Schmid (SPD) in Baden-Württemberg. © dpa
Landtagswahl 2016
Sachsen-Anhalt, Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg wählen. © dpa
Landtagswahl 2016
Wulf Gallert (Die Linke) in Sachsen-Anhalt. © dpa
Landtagswahl 2016
Claudia Dalbert (Grüne) in Sachsen-Anhalt. © dpa
Landtagswahl 2016
Frank Sitta (FDP) in Sachsen-Anhalt. © dpa
Landtagswahl 2016
Reiner Haseloff (CDU) in Sachsen-Anhalt. © dpa
Landtagswahl 2016
Winfried Kretschmann (Grüne) in Baden-Württemberg. © dpa
Landtagswahl 2016
Jörg Meuthen (AfD, r.) in Baden-Württemberg. © dpa
Landtagswahl 2016
Uwe Jung (AfD) in Rheinland-Pfalz. © dpa

Doch Kretschmanns politische Heimat blieb letztlich immer Baden-Württemberg, wo er nach und nach zum starken Mann seiner Partei aufstieg. Von 2002 bis zu seiner Wahl zum Ministerpräsidenten im Jahr 2011 war er Grünen-Fraktionsvorsitzender im Stuttgarter Landtag.

Jetzt hat der verheiratete Vater von drei erwachsenen Kindern gute Chancen im Amt zu bleiben, auch wenn es wegen der Schwäche der SPD nicht mehr reicht für ein grün-rotes Bündnis. Den Anspruch auf den erneuten Posten des Regierungschefs hat er am Sonntag deutlich angemeldet: "Ich sehe den Auftrag erneut die Landesregierung zu bilden und weiter den Ministerpräsidenten zu stellen."

Update vom 22.08.2016: Alle Informationen zur Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern am 04. September 2016 finden Sie hier.

AFP

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.