Spitzenkandidat der Grünen im Interview

Grünen-Spitzenmann Hartmann gibt großes Startbahn-Versprechen - und macht Geständnis zu Duell mit Söder

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Grüner Spitzenmann: Ludwig Hartmann.

Die Grünen peilen laut Umfragen ein Traumergebnis bei der bayerischen Landtagswahl an. Wo soll das noch enden? Ein Interview mit dem Spitzenkandidaten Ludwig Hartmann.

München - Die Grünen reiten in Bund und Land derzeit eine Welle der Euphorie. Doch wo soll das enden? Muss etwa die CSU nach 61 Jahren „Alleinherrschaft“ in Bayern und mit ihr Markus Söder den Hut nehmen? Wird nun Ludwig Hartmann mit 40 Jahren bayerischer Ministerpräsident? Laut dem ARD-Bayerntrend zuletzt wäre dies rein rechnerisch möglich. So könnten die Grünen gemeinsam mit der SPD, den Freien Wählern und der FDP eine Koalition gegen die Christsozialen bilden. Könnten. Denn passieren wird dies aller Voraussicht nach nicht - zumindest noch nicht. „Ich werde keinen Grünen zum Ministerpräsidenten wählen“, sagte Hubert Aiwanger, Chef der Freien Wähler bereits. Und auch Hartmann wehrt im Merkur*-Interview ab.

Herr Hartmann, woher kommen die tollen Umfrageergebnisse der Grünen?

Ich führe die guten Umfrageergebnisse auf unsere inhaltliche Stärke zurück. Wir setzen auf die Themen, die die Menschen in Bayern bewegen. Die Debatten im Land haben sich verändert. Sauberes Wasser, Chancengerechtigkeit zwischen Stadt und Land, dazu der Mangel an bezahlbaren Wohnungen sind plötzlich Themen, die diskutiert werden. Das habe ich so auch noch nicht erlebt, dass auch Themen wie die Agrarwende oder Artenvielfalt so im öffentlichen Fokus stehen. All diese Themen haben wir seit langem auf der Agenda. Jetzt scheint es sich auszuzahlen.

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„Ministerpräsident Ludwig Hartmann“, wie klingt das?

Die Prognosen sind so gut, dass sogar eine Koalitionsregierung gegen die CSU möglich erscheint. Der neue Ministerpräsident hieße dann Ludwig Hartmann. Wie klingt das? 

Wir machen einen Wahlkampf für ein tolles Ergebnis der Grünen. Mir sind demokratische Gepflogenheiten und stabile Verhältnisse enorm wichtig. Dazu gehört auch, dass die stärkste Partei einen Vorschlag zur Regierungsbildung macht. Ich wäre auch vorsichtig mit den Prognosen. Wie es sein kann, wenn man sich von tollen Umfragen zu viel erwartet, haben wir 2013 gesehen. Um es in den Worten von Winfried Kretschmann (Anm.d.Red. Ministerpräsident Baden-Württemberg) zu sagen: 'Wir bleiben auf dem Teppich, auch wenn der gerade fliegt'.

Können Sie es sich denn vorstellen einmal Ministerpräsident zu werden?

Die Frage stellt sich für mich aktuell nicht.

Könnten die Grünen denn aktuell überhaupt mit den anderen Parteien koalieren?

Wir können und werden bei Bedarf mit allen demokratischen Parteien sprechen und versuchen Kompromisse zu finden. Wir haben schon nach der Bundestagswahl Verantwortungsbereitschaft für unser Land gezeigt und standen kurz vor einer Koalitionsvereinbarung. Keine Gesprächsbereitschaft gibt es natürlich mit der AfD, die ich nicht als politischen Mitbewerber ansehe, sondern als politischen Gegner.

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Ludwig Hartmann: „Unterscheiden uns wesentlich von der CSU“

Stünden Sie auch für ein schwarz-grünes Bündnis zur Verfügung?

Wir unterscheiden uns in vielen Punkten wesentlich von der CSU. Eine Sicherheitspolitik, die gleichzeitig die bürgerlichen Freiheiten bewahrt und eine menschliche Flüchtlingspolitik - dafür stehen wir Grüne, aber nicht die CSU. Wir haben zuletzt im Bund gesehen, wie schwer es sein kann eine Regierung zu bilden. Deshalb möchte ich mich vor der Wahl mit der Beantwortung solcher Fragen zurückhalten. Wir stehen vor einer wichtigen Wahl und die kommenden sechs Tage sind ganz entscheidend für die Partei. Wir hängen uns voll rein und dann können wir am 14. Oktober um kurz nach 18 Uhr über alles Weitere sprechen.

Aber eine Koalition wäre möglich?

Uns geht es im Kern um eine ökologische, gerechte und pro-europäische Zukunft Bayerns. Darüber kann man mit uns reden, über etwas anderes nicht.

Hartmann gesteht: „TV-Duell mit Söder machte mich anfangs nervös“

Was sind die Kernthemen, die Ihre Partei in den kommenden fünf Jahren anpacken will?

Mit uns gibt es keine dritte Startbahn. Wir wollen uns für ein Artenschutzgesetz stark machen, den Flächenfraß eindämmen und Bus und Bahn in jede bayerische Ortschaft bringen. Wir stehen für bessere und flexiblere Kinderbetreuung mit flexibleren Öffnungszeiten und Glasfaserversorgung für jedes Haus in Bayern.

Abschließend: Das TV-Duell gegen Markus Söder war sicherlich etwas Besonderes für Sie?

Tatsächlich war ich in den ersten Minuten ein wenig nervös. Das erlebt man nicht alle Tage. Aber ich finde wir haben das ganz ordentlich hinbekommen, das Feedback war jedenfalls sehr gut. Auch mein 'Nein' bei der heiklen Frage, ob ich denn fair produzierte Kleidung tragen würde, nahmen mir die Zuschauer nicht krumm. Im Gegenteil, ich bekam fast nur Emails von Leuten, die meine Ehrlichkeit schätzten. Das freut mich.

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