Hessische Landtagswahlen

CDU-Spitzenkandidat Volker Bouffier im Porträt

„Es ist nicht unsere Aufgabe, den Menschen vorzuschreiben, wie sie glücklich werden.“ Volker Bouffier (CDU, 61), Hessens Ministerpräsident, wird von manchen Beobachtern ein harmoniebedürftiges Naturell bescheinigt. Seine Gegner bleiben skeptisch. Foto. Koch

Wer wird im Januar vom Landtag zum hessischen Ministerpräsidenten gewählt? Volker Bouffier (CDU) oder sein Herausforderer Thorsten Schäfer-Gümbel (SPD)? Am Sonntag entscheiden die Wähler, wer die erforderliche Mehrheit im Landesparlament bekommt.

Alfred Dregger, der Weltkriegshauptmann, Manfred Kanther, der schwarze Sheriff, und Roland Koch, der kühle Polemiker - Hessens CDU wurde jahrzehntelang von strammen Konservativen geführt, die in der Abwehr von allen Sozialisten und Kommunisten ihre historische Mission sahen. Ausgerechnet dieser „konservative Kampfverband“ (Selbstdefinition) wird nun von einem Mann in den Landtagswahlkampf geführt, der bei seinem Amtsantritt 2010 einen neuen Stil des pfleglichen Umgangs im Landtag versprach und der die politische Zuspitzung eher meidet: Volker Bouffier.

Die Kochs und Kanthers wurden in der CDU stets respektiert, oft bewundert, manchmal gefürchtet - geliebt wurden sie kaum. Bei Buffi, wie ihn viele nennen, ist das anders. Die Sympathien fliegen ihm zu in der Partei, er ist offen für Gespräche, ein Gläschen, ein Zigarillo.

Und so wie er die Partei führt, so interpretiert er auch seine Rolle als Ministerpräsident: Bouffier tritt als Landesvater auf, freundlich, jovial, manchmal kumpelhaft. Auf Volksfesten beweist er Stehvermögen, dem Gespräch mit Bürgern geht er nicht aus dem Weg. Freimütig plaudert er über Haarfarbe, Scheitel und Falten im Gesicht, die er sich „alle hart erarbeitet hat“.

HNA-Interview mit Volker Bouffier im Video

Dass er heutzutage weichgespült daherkomme, hat der 61-Jährige kürzlich in einer TV-Debatte allerdings bestritten. Er sei schon immer auf Dialog bedacht gewesen. Dass ihm jahrelang der Ruf eines Law-and-order-Mannes vorauseilte, sei lediglich seiner Rolle als Landesinnenminister, der „notwendigen performance“, geschuldet gewesen.

Die letzten Tagen erlebten allerdings noch einmal einen Bouffier als Mann der Attacke. Er griff seinen Gegenkandidaten Thorsten Schäfer-Gümbel scharf an und unterstellte ihm, ein Bündnis mit der Linken anzustreben. Da habe sich der wahre Bouffier gezeigt, tönten seine Gegner, der Hardliner aus der Koch-Schule, der es in der politischen Debatte mit der Wahrheit nicht immer so genau nehme.

Hinter den heftigen Attacken mag Bouffiers Furcht gestanden haben, dass er mit seiner ausgleichenden Art und seinem auch nach drei Jahren kaum vorhandenen Amtsbonus nicht genügend wahrgenommen werde im Wahlkampf. In der Tat ist das die Kehrseite der Konsenspolitik, wie sie Bouffier betrieb, als er SPD und Grüne bei Schuldenbremse und Energiegipfel auf seine Seite zog.

Muss Bouffiers Koalition also mit Abwahl rechnen? Er selbst ist lange genug im Geschäft um zu wissen, dass Hessen jahrzehntelang sozialdemokratisch geprägt worden ist, dass CDU-Siege hier nicht der Normalfall sind. Aber er vertraut auf die Popularität seiner Kanzlerin. Schließlich drängte er nicht von ungefähr auf die Zusammenlegung von Bundes- und Landtagswahl.

Zur Person Volker Bouffier

• Volker Bouffier lebt in Gießen, wo er am 18. Dezember 1951 zur Welt kam. Mit 22 schwerer Autounfall, ein Jahr Krankenhausaufenthalt. Dann Jurastudium und Anwaltstätigkeit.

• Von 1987 bis 1991 Justizstaatssekretär in der Regierung Wallmann, ab 1999 Innenminister der Regierung Koch.

• Nach dessen Rücktritt 2010 folgte Bouffier ihm als Ministerpräsident, Landesvorsitzender und Vize-Chef der Bundes-CDU.

•Bouffier und seine Frau Ursula (Bild) haben zwei Söhne, seine Tochter aus erster Ehe machte ihn kürzlich zum Großvater.

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