Wahlkreis Kassel-Land I

Landtagswahl: Florian Kohlweg (AfD) ist für Bürgerentscheide und gegen Windkraft 

Will Respekt ernten und zeigen: AfD-Landtagskandidat Florian Kohlweg pfeift in seiner Freizeit beim Fußball. Foto: Lasse Deppe

Helmarshausen. Am 28. Oktober wählt Hessen einen neuen Landtag. Im Wahlkreis Kassel-Land I, zu dem die Altkreise Wolfhagen und Hofgeismar sowie Espenau und Fuldatal gehören, bewerben sich sieben Kandidaten. Wir stellen diesmal Florian Kohlweg (AfD) vor. 

Wenn sich nichts ändert, ist Florian Kohlweg in spätestens 15 bis 20 Jahren weg. Ausgewandert. Aus Angst vor einer weiteren Ausbreitung des Islams in Deutschland, einer totalitären Weltreligion mit Herrschaftsansprüchen, wie er findet.

Wenn er von „nichts ändern“ spricht, meint der Landtagskandidat der Alternative für Deutschland (AfD) vor allem strengere Regeln bei der Zuwanderung. „Mit der wachsende Zahl der Migranten, die ihre Weltanschauung mitbringen, sehe ich reelle Gefahren“, sagt er. Schon heute müsse man Angst haben, Courage zu zeigen. Das Ergebnis könnten „bürgerkriegsähnliche Zustände wie in Chemnitz“ sein.

„Klar ausgenommen davon sind natürlich alle Menschen, die sich angepasst und voll integriert haben“, schiebt der 22-Jährige im Gespräch an der Helmarshäuser Struthe-Kampfbahn hinterher. Eine Relativierung, die typisch für den jungen Mann ist. Der auch im Kreistag gerne mal mit deutlichen Worten provoziert und sich schon im nächsten Satz weniger angreifbar für seine politischen Gegner macht.

Ganz andere Regeln als die der Migration hätten Kohlwegs Karriere bestimmen können. Als Fußball-Schiedsrichter schaffte er bis in die Hessenliga, das hat ihn geprägt. „Zuverlässigkeit und Ordnung sind mir wichtig, und beides habe ich dort gelernt“, sagt er. Auch im Umgang mit schwierigen Charakteren sei er in dieser Zeit ganz automatisch geschult worden. Wer auf dem Platz Respekt bekommen will, muss ihn selbst zeigen, heißt sein Credo. Dass er aus dem karriereorientierten Schiedsrichterwesen ausgestiegen ist, läge an den Schwächen des Bewertungssystems, das für seinen Anspruch nicht objektiv genug sei.

Die Karriere macht er jetzt eben in der Politik, zu der er über seinen Cousin gekommen ist. Von der Faszination bei einer Parteiveranstaltung mit dem ehemaligen Vorsitzenden Bernd Lucke bis hin zum Posten als stellvertretender Landessprecher hat es keine fünf Jahre gedauert. Platz 25 auf der hessischen Landesliste ist daher ganz offensichtlich weniger, als Kohlweg erwartet hatte.

Er sucht die Begründung im hohen Altersdurchschnitt der anderen Listenkandidaten. Chancen rechnet er sich dennoch aus. Holt die AfD 18 bis 19 Prozent im Land und gibt es entsprechend viele Überhangmandaten, könnte Kohlweg in den Landtag einziehen.

Zweifel an seinem Weg hat Kohlweg nicht. Daran ändern auch gescheiterte Beziehungen, Pöbeleien in der Öffentlichkeit und sogar Kopfnüsse auf einer Party in Bad Karlshafen nichts. Der Grund immer der gleiche: sein Engagement in der Partei.

Die sieht sich wie ein Auszubildender, sagt er. Der könne schließlich auch nicht direkt alle Aufgaben eines Meisters übernehmen. Vielleicht gibt Kohlweg auch deswegen als Ziel nicht die allererste Reihe aus. Aber die zweitstärkste Kraft, die könne seine Partei demnächst schon sein.

Seine politischen Ziele

Mitreden, das will Florian Kohlweg nicht nur selbst, auch den Bürgern möchte er eine lautere Stimme verschaffen. Eines seiner Ziele in der Landespolitik ist es daher, Bürgerbegehren auf Landkreisebene möglich zu machen. „Das geht schon auf kommunaler und Landesebene, aber auch der Kreis trifft ja wichtige Entscheidungen“, sagt der AfD-Kandidat, „wenn das anders wäre, bräuchten wir den Kreis ja gar nicht“. Generell will er mehr Beteiligung der Bevölkerung an der Politik und daher auch das Interesse daran auffrischen. „Politik muss für junge Menschen wieder sexy sein“, sagt er und lässt das direkt wie einen Wahlslogan klingen. Fahrten in den Landtag würde er gerne organisieren. Dort möchte er natürlich auch die lokalen Themen platzieren, zu denen er sich deutlich positioniert. 

Die Hafenöffnung wollte er nicht: Florian Kohlweg setzt jetzt auf andere Themen aus der Heimat.

Das heißt zum Beispiel: keine Windkraft im Reinhardswald. Da dürfe es auch keine Kompromisse geben. Die wiederum solle seiner Meinung nach K+S mit Blick auf eine mögliche Abwasserpipeline durch den Wald eingehen. „Das Unternehmen muss vom Land bewegt werden, Geld für andere Lösungen in die Hand zu nehmen“, sagt er. Als Hobbyangler wisse er, dass die Qualität der hiesigen Gewässer in den letzten Jahren deutlich besser geworden sei. Das müsse auch so beibehalten werden. Nicht wirklich zufrieden ist Kohlweg mit einem Thema, an das er aber inzwischen einen Haken gemacht hat: Die Hafenöffnung in seinem Heimatort wollte er so nicht. „Aber die Bürger wollten es, also bringt es nichts, dagegen zu wettern."

Zur Person

Florian Kohlweg (22) stammt aus Bad Karlshafen und hat am Gymnasium in Beverungen Abitur gemacht. Dem schloss sich eine Ausbildung zum Industriekaufmann an. Inzwischen arbeitet er als selbstständiger Unternehmer. Seit 2013 ist er bei der Alternative für Deutschland aktiv, seit 2014 auch Mitglied. Kohlweg ist stellvertretender Landessprecher, Vorsitzender der Kreistagsfraktion und Vorstandssprecher der Kreis-AfD sowie stellvertretender Stadtverordnetenvorsteher in Bad Karlshafen. In seiner Freizeit pfeift er als Schiedsrichter Fußballspiele und angelt. Er lebt mit seiner Freundin in Bad Karlshafen.

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