SPD in Nordhessen am erfolgreichsten

Hier holten die Parteien die meisten Stimmen: Die Hochburgen bei der Landtagswahl

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Drei Mal Hessen, drei Mal andere Hochburgen: Während die CDU im Osten und Westen des Landes besonders erfolgreich war, holten die SPD im Norden und die Grünen im Süden die meisten Stimmen.

Die Landtagswahl in Hessen ist vorbei, die Analysen gehen weiter. Wo hat welche Partei besonders viele Stimmen geholt? Wir stellen die Hochburgen vor.

Welcher Region Hessens hat eine Partei bei dieser Landtagswahl ihren (Miss-)Erfolg zu verdanken? Neben den Partei-Hochburgen der Kasseler Stadtteile sind wir dieser Frage auch auf Ebene des gesamten Bundeslandes nachgegangen. 

Wir haben das Endergebnis der Wahl in Hessen ausgewertet und Karten für die sechs größten Parteien erstellt. Dabei zeigen sich deutliche Unterschiede zwischen den Regionen Hessens. Während die SPD im traditionell sozialdemokratischen Norden noch vergleichsweise stark ist, sorgten vor allem die Zweitstimmen in Südhessen für das gute Ergebnis der Grünen bei dieser Wahl. Das Endergebnis der Wahl in Hessen für alle Gemeinden. 

Die Hochburgen im Detail:

CDU bei Wahl in Hessen: Hochburg in Fulda

Besonders beliebt ist die CDU im Osten Hessens: In vielen Gemeinden des Landkreises Fulda stimmte die Mehrheit für die Christdemokraten. In einer einzigen Gemeinde konnte die CDU sogar die absolute Mehrheit für sich gewinnen: In Rasdorf, Landkreis Fulda, stimmten 52,1 Prozent für die Christdemokraten. Aber auch im äußersten Westen, beispielsweise in Waldeck-Frankenberg und im Lahn-Dill-Kreis, ist die CDU gefragt. 

In Nordhessen liegt Eiterfeld im Landkreis Hersfeld-Rotenburg ganz vorn: Dort entschieden sich 43,4 Prozent für die CDU. Getrübt wird dieses Ergebnis, wenn man sich die letzten Wahlen ansieht: 2013 haben in Rasdorf noch 63,8 Prozent für die CDU gestimmt – sogar hier hat die CDU also herbe Verluste erlitten. In Eiterfeld liegen die Verluste sogar bei 18 Prozentpunkten.

Insgesamt wird die Karte in der Mitte des Landes immer blasser – Richtung Norden nimmt die Anzahl der CDU-Wähler besonders stark ab. Am wenigsten beliebt in ganz Hessen ist die Partei in Teilen des Schwalm-Eder-Kreises und des Kasseler Landkreises. In Morschen beispielsweise erlangte sie 18,8, in Edermünde 18,6, in Wahlsburg 18,3 und in Söhrewald 16,5 Prozent. In keiner einzigen Gemeinde des Landes hat sich die CDU steigern können. Nordhessenweit hat sie in Cornberg (Landkreis Rotenburg) mit -5,2 Prozentpunkten am wenigsten verloren, in Friedewald (Hersfeld) mit -18,5 Prozentpunkten am meisten.

SPD: Grüne vor SPD - aber nicht in Nordhessen

Die Sozialdemokraten haben in unserer Region weiterhin die meisten Wähler. Ganz vorn: Wahlsburg im Landkreis Kassel mit 40,2 Prozent, dicht gefolgt von Baunatal mit 39,1 Prozent und Nentershausen (Landkreis Rotenburg) mit 38,1 Prozent. Spannend ist aber, dass die Partei trotzdem gleichzeitig massive Verluste eingefahren hat. In Söhrewald entschieden sich etwa immerhin noch 34,8 Prozent für die SPD – und damit 15,7 Prozentpunkte weniger als bei der letzten Wahl. In Oberweser (Landkreis Kassel) fiel die Partei um 14 Prozentpunkte auf 37,3 Prozent und in Edermünde (Schwalm-Eder-Kreis) um 12,7 Prozentpunkte auf 34,6 Prozent. Am schlechtesten nordhessenweit schnitten sie in Eiterfeld (Hersfeld) ab: 10,2 Prozent wählten bei dieser Landtagswahl in Hessen die SPD und damit 6,8 Prozentpunkte weniger als 2013.

In der Mitte und im Osten des Landes ist die SPD insgesamt deutlich unbeliebter. Am seltensten wurde sie im Landkreis Fulda gewählt: In sieben Gemeinden des Landkreises sowie in Königstein (Hochtaunus) landete sie sogar unter 10 Prozent. Das schlechteste Ergebnis fuhr sie in Poppenhausen (Fulda) ein: 7,5 Prozent wählten hier die Sozialdemokraten. 

Genau wie die CDU hat auch die SPD in keiner einzigen Gemeinde dazugewonnen. In Friedewald (Hersfeld) waren die Verluste mit -5,6 Prozentpunkten am geringsten nordhessenweit, in Willingshausen (Schwalm-Eder-Kreis) mit -16,9 Prozent am stärksten. Die größten Verluste hessenweit musste sie in Hirzenhain (Wetterau) hinnehmen: -18,7 Prozentpunkte waren es hier.

Grüne zweitstärkste Kraft dank der Städte

Am grünsten ist Hessen im Süden und in Teilen des Nordens sowie in den großen Städten in der Mitte des Landes. Die stärkste Stadt der Grünen ist Darmstadt: 30,4 Prozent entschieden sich hier für die Partei. Auch in Bad Vilbel mit 26,7 Prozent und in Marburg mit 26,5 Prozent sind die Grünen beliebt. In Bad Vilbel steigerte sich die Partei sogar um 12,1 Prozentpunkte. In Nordhessen führt Kassel die Liste der grünsten Städte an: 25,2 Prozent entschieden sich hier für die Grünen, womit die Partei ihr Ergebnis um ganze 9 Prozentpunkte gegenüber 2013 verbesserte. 

In ländlichen Gebieten Mittelhessens und Nordhessens werden die Grünen-Wähler seltener: In Schwarzenborn (Schwalm-Eder-Kreis) kassierte die Partei hessenweit mit 5,5 Prozent das schwächste Ergebnis. Doch auch hier konnte sie noch ein Plus von 2,5 Prozentpunkten gegenüber dem Vorjahr verzeichnen. In keiner einzigen Gemeinde machten die Grünen Verluste gegenüber der Vorwahl.

Die Linke bei der Hessenwahl: In Städten stark

Die Linke ist vor allem in den Städten stark: Marburg führt die Liste mit 14,4 Prozent an, hier steigerte sich das Ergebnis gegenüber dem Vorjahr mit 5,9 Prozentpunkten am stärksten. Es folgen Kassel mit 11,7 Prozent, Darmstadt mit 11 Prozent, Gießen mit 10,9 Prozent und Frankfurt mit 10,5 Prozent.

Die Gemeinde mit den wenigsten Linke-Wählern ist Schwarzenborn (Schwalm-Eder-Kreis): Hier sind es 1,5 Prozent. Die größten Verluste hat die Linke in Aarbergen (Rheingau-Taunus) mit -4,3 Prozentpunkten und in Cornberg (Rotenburg) mit -2,8 Prozentpunkten erlitten.

FDP: Kleine Hochburg in Waldeck-Frankenberg

Die FDP wird in Waldeck-Frankenberg stark unterstützt, weitere Hochburgen der Partei sind Fulda, Teile des Westens rund um Frankfurt und Wiesbaden und der südliche Zipfel des Landes. Am besten schnitt die FDP in Steinbach (Hochtaunus) ab: 15,2 Prozent wählten die Partei hier. Nordhessenweit führt Bromskirchen in Waldeck-Frankenberg mit 12,1 Prozent die Liste an. Auch in Willingen (12 Prozent) und Lichtenfels (11,8 Prozent), beides in Waldeck-Frankenberg, sind die Liberalen beliebt.

Das schwächste Ergebnis in ganz Hessen erzielte die Partei in Nieste (Eschwege-Witzenhausen) mit 3,9 Prozent.

AfD: Hirzenhain ist blau

Die AfD hat gegenüber der letzten Wahl 2013 in allen Gemeinden starke Gewinne gemacht, in keiner einzigen verlor sie Wähler. Die geringsten Gewinne erzielte sie noch in Oberursel (Hochtaunus) mit 4,4 Prozentpunkten, die größten in Neuhof (Fulda), einer Gemeinde aus drei Dörfern mit insgesamt 10.000 Einwohnern, von denen sich 24,4 Prozent für die AfD entschieden. Sie bescherten der Partei in ihrem Ort damit ganze 20,6 Prozentpunkte Zuwachs gegenüber dem Vorjahr.

In Hirzenhain (Wetterau) hat die Partei 23,3 Prozent der Wähler für sich gewinnen können - damit ist Hirzenhain die einzige Gemeinde Hessens, in der die AfD die meisten Zweitstimmen bekommen hat.

Die Gemeinde Nordhessens, in der prozentual gesehen die meisten AfD-Wähler wohnen, ist Cornberg (Landkreis Rotenburg): 22,3 Prozent der 1300 Einwohner stimmten für die AfD, das sind 17,6 Prozentpunkte mehr als 2013. Auf Platz zwei in Nordhessen landet Neukirchen (Schwalm-Eder-Kreis) mit 20,4 Prozent und auf Platz drei Hauneck (Hersfeld) mit 19,9 Prozent.

Auffällig ist, dass die AfD besonders in ländlichen Gebieten Mittelhessens und im Osten Hessens gefragt ist. In den Städten wie in Frankfurt, Darmstadt oder Gießen wird die AfD-Karte blasser. Die wenigsten AfD-Wähler wohnen in Marburg: Hier sind es 7,5 Prozent. In Nordhessen war die AfD in Oberweser (Landkreis Kassel) mit 9,5 Prozent am schwächsten, danach folgt Willingen (Waldeck-Frankenberg) mit 9,7 Prozent. Auch in Kassel Stadt leben mit 10,7 Prozent vergleichsweise eher wenige AfD-Wähler.

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