Parteien bemühen sich in sozialen Medien vor allem um jüngere Wähler

Vor der Landtagswahl in Hessen: Wahlkampf auch im Internet

Spitzenkandidaten im Netz: Auch Volker Bouffier (CDU, links) und Thorsten Schäfer-Gümbel (SPD) sind bei Facebook. Foto: Juliane Görsch/d pa

Der Countdown läuft, die Wahlkämpfer in Hessen geben noch mal alles, an der Haustür wie im Internet. Die Plattformen im Netz sind noch wichtiger als bei der vergangenen Landtagswahl vor fünf Jahren.

„Social Media hat bei uns einen großen Stellenwert“, sagt Deliah Eckhardt von der CDU Hessen. Ähnlich klingt das bei allen anderen Parteien. Unterschiedlich ist der Aufwand, der dafür betrieben wird.

Die Grünen haben kein eigenes Social-Media-Team – die Plattformen im Netz werden mit Unterstützung einer Agentur von anderen Mitarbeitern mit betreut. Eine einzige Person ist für die Auftritte der Linken bei Facebook und Twitter zuständig, zwei sind es bei der FDP. Bei der SPD kümmern sich zwei bis drei Mitarbeiter um den Social-Media-Wahlkampf, bei der CDU sind es sieben. Den personell größten Aufwand betreibt wohl die AfD – dort sind nach Angaben von Landessprecher Robert Lambrou sechs Personen allein für Facebook zuständig und jeweils eine für Twitter und Instagram. „Wir wollen direkt an den Bürger ran und das geht gut über Social Media“, sagt Lambrou.

Beim Einsammeln von „Gefällt-mir“-Klicks auf Facebook – die „Likes“ – liegt die AfD Hessen mit mehr als 25 000 weit vor allen anderen Parteien. Danach folgen CDU (mehr als 10 600), SPD (rund 10 000), Linke (mehr als 7300), FDP (mehr als 5800) und Grüne (rund 3600).

Nicht jeder „Like“ ist echt

Hinter diesen Account-Zahlen stehen allerdings nicht immer reale Menschen. Nach einer kürzlich vorgelegten Studie der Nichtregierungsorganisation Campact und des Instituts für Demokratie und Zivilgesellschaft (IDZ) werden insbesondere in rechtsgerichteten Kreisen mehrere Accounts genutzt, „um Kommentare zu schreiben und „Likes“ zu generieren, damit die Unterstützung für ihre politischen Botschaften größer wirkt, als es ohne diese Manipulationen der Fall wäre“.

„Die Befunde weisen darauf hin, dass die etablierten demokratischen Parteien gut beraten wären, ihre Mitglieder und Anhänger zu bewegen, sich stärker an Online-Diskussionen zu beteiligen“, sagt IDZ-Direktor Matthias Quent.

Allerdings werden die sozialen Netzwerke wie Facebook, Instagram, YouTube und Twitter oft nur als Spiegel für den traditionellen Straßen- und Hallenwahlkampf genutzt. Im Endspurt setzt etwa die Linke ganz traditionell auf Bustouren durchs Land – „das wird dann auf Facebook zurückgespielt“, sagt Linken-Parteisprecher Michael Müller. Davon absetzen will sich der Social-Media-Wahlkampf der Grünen, unter anderem mit Kurzvideos, in denen Bahnfahrer, Fußballfans oder Hobbygärtner jeweils sechs Gründe genannt bekommen, warum sie grün wählen sollen. „Wir haben eine Social-Media-Kampagne entwickelt, die die Sprache dieser Medien spricht und ihre Mechanik aufgreift“, sagt Sprecher Volker Schmidt.

Facebook spreche im Vergleich zu Instagram schon eine etwas ältere Zielgruppe an, sagt Social-Media-Wahlkämpferin Eckhardt von der CDU. „Die 15- bis 25-Jährigen haben nicht mehr unbedingt einen Facebook-Account, sie erreicht man besser über Instagram.“ So verbreitet die Partei etwa ein Instagram-Interview mit Spitzenkandidat und Ministerpräsident Volker Bouffier oder Kurzvideos von Veranstaltungen.

„Wir wollen den direkten Wahlkampf am Stand und an der Haustür gut mit dem Social-Media-Wahlkampf verknüpfen“, sagt die Social-Media-Beauftragte der SPD Hessen, Isabel Neumann. „Unser Anliegen ist es, auch im Internet den Wahlkampf vor Ort abzubilden, so dass wir zeigen, wo und wie wir unterwegs sind.“ (dpa)

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