Invasion raubte Nazi-Reich vor 70 Jahren die letzte Hoffnung

Landung der Alliierten in der Normandie: Niemand wollte Hitler wecken

Mit der Landung der Alliierten in der Normandie, am 6. Juni 1944, begann das Ende der Nazi-Herrschaft in Europa. Elf Monate später war das Hitler-Reich niedergerungen. Heute jährt sich die Invasion zum 70. Mal.

Dem größten militärischen Landungsunternehmen der Weltgeschichte geht ein Katz- und Mausspiel voraus - mit Geisterarmeen von Flugzeug- und Panzerattrappen in Südengland und Schottland, mit Scheinangriffen, irreführenden Funksprüchen. Im Radio gibt es sogar Live-Übertragungen von Football-Spielen zwischen Divisionen, die es in Wirklichkeit niemals gab. Briten und Amerikaner tun alles, um die Deutschen vom eigentlichen Ziel abzulenken: der Invasion in der Normandie am 6. Juni 1944 unter dem Oberbefehl von Dwight D. Eisenhower (1890-1969), dem späteren US-Präsidenten.

Erwin Rommel

Die Wehrmachtssoldaten erwarten das Unternehmen „Overlord“ („Lehnsherr“) gespannt. Man weiß, dass es kommt, aber nicht wo, vermutet den Hauptangriff nördlich bei Calais. Dort sind die Befestigungen gut ausgebaut und starke Verbände stationiert.

Als nach Mitternacht die ersten britischen und amerikanischen Fallschirmspringer in der Normandie wichtige Brücken und andere strategische Orte erobern, da weilt der deutsche Oberbefehlshaber der Westfront, Generalfeldmarschall Erwin Rommel (1891-1944), zu Hause im Reich zum Geburtstag seiner Frau. Der Führer schläft auf dem Obersalzberg – erst gegen zehn Uhr wagt man ihn zu wecken.

An der Küste gehen tausende Tonnen Bomben und schwerster Beschuss der geballten alliierten Schiffsartillerie nieder. Den tief eingegrabenen Deutschen schadet das überraschend wenig. Im Gegenteil: Die bald von tiefen Kratern zerfurchte Landschaft bietet den Verteidigern später Schutz beim Absetzen ins Hinterland. Ab 6.30 Uhr treffen in elf Wellen die Landungsboote der Alliierten ein. Das große Schlachten beginnt auf einer Breite von fast 100 Kilometern.

Dwight D. Eisenhower

In der Normandie sind die deutschen Soldaten zwar gut verbunkert, aber zahlenmäßig weit unterlegen und fast ohne Luftunterstützung. Nach einer Visite Rommels im Frühjahr haben sie diesen Küstenabschnitt besser befestigt – mit Minen und Panzersperren am Strand, auf denen Sprengfallen angebracht sind, mit Laufgräben, Bunkern, Schützenlöchern, vorgeschobenen Feuerleitposten in den Hängen, fernbedienten Flammenwerfern und rückwärtig liegenden Haubitzen. „Widerstandsnester“ sind eingerichtet, wie das berühmt gewordene WN 62 (nächste Seite).

Aber die Wehrmacht weiß auch: Wenn die Angreifer die Küstenlinie erst einmal überwunden haben, wird der viel beschworene „Atlantikwall“ nichts mehr nützen, muss sich die Überlegenheit der Alliierten an Material und Männern auswirken.

Lesen Sie in der gedruckten Ausgabe am Freitag:

- Die Invasion in Zahlen und Fakten

- Grafik: Zwischen den Angreifern aufgeteilt - Die Strandabschnitte der Invasion in der Normandie. Im Abschnitt „Omaha Beach“ standen 308 deutsche Soldaten 34 142 landenden US-Soldaten gegenüber.

- Um Vergebung hat er nie gebeten: Heinrich Severloh schoss am „Omaha Beach“ bis zu 2000 Amerikaner nieder, David Silva verletzte er schwer

Deswegen hat Rommel seine Männer beschworen, den ersten Tag der drohenden Invasion zum „längsten Tag“ zu machen. Die ersten 24 Stunden, so glaubt er, sind für den Ausgang der Sache entscheidend. Das englische Kürzel „D-Day“ heißt auf Deutsch übrigens nur soviel wie „Tag X“, auf französisch „Jour J“.

Am Abend des 6. Juni 1944 steht die neue Westfront, zunächst nur als noch unverbundene Brückenköpfe in der Normandie. Aber in schier endlosen Strömen schaffen die Alliierten nun Soldaten und Material heran. Die Wehrmacht muss schleunigst Truppen in den Westen verlegen. Schwere Rückschläge an der Ostfront sind die Folge. Noch elf Monate, dann ist Nazi-Deutschland besiegt.

Von Tibor Pézsa

Rubriklistenbild: © dpa

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