Razzia bei Rüstungsfirmen – Griechenland war einst Deutschlands bester Militärtechnik-Kunde

Lang ein treuer Waffenkäufer

Akis Tsochatzopoulos

Bremen. Großrazzia in Büros der Rüstungsfirmen Rheinmetall-Defence-Electronics und Atlas Elektronik: Dass Bremer Staatsanwälte vergangene Woche Akten und Computer sicherstellten, geht auf alte Schmiergeld-Fälle zurück, die den Verkauf von U-Boot-Ausrüstung nach Griechenland begleitet haben sollen.

Das reicht in Zeiten, als solche Deals noch richtig rund liefen: U-Boote, Panzer, Düsenjäger, Helikopter - noch zwischen 2007 und 2011 war das Schuldenland am Mittelmeer wichtigster Abnehmer deutscher Waffenbauer weltweit: 13 Prozent deutscher Rüstungsexporte gingen an Griechenland, so das schwedische Friedensforschungsinstituts Sipri. Platz eins vor Südkorea (10 Prozent) und Südafrika (8 Prozent). Hunderte Leopard-Kampfpanzer sowie Panzerhaubitzen, teils aus Bundeswehrlagern, und U-Boote von Thyssen-Krupp wanderten so in Europas Südosten. Auch mit dem Kampfjet Eurofighter liebäugelten griechische Generäle lange. Noch 2010 sollen deutsche Regierungsmitglieder Athen zum Kauf gedrängt haben, kurz vor dem Offenbarungseid.

Über Jahrzehnte haben die Hellenen gemessen am Bruttoinlandsprodukt „für Militär weit mehr als der Durchschnitt der anderen europäischen Nato-Staaten“ ausgegeben, schrieb das Bonner Friedens- und Konfliktforschungsinstitut BICC 2010 in einem Griechenland-Bericht. Autor Jerry Sommer sieht die Jahre der Militärdiktatur (bis 1974) und Athens Versuch, militärisch mit der ebenfalls aus Deutschland bedienten Türkei gleichzuziehen, als Hauptgründe der Hochrüstung.

Geben und Nehmen

„In Griechenland war das Rüstungsgeschäft wie überall ein Geben und Nehmen“, zitierte die Zeit 2012 einen Waffenhändler. Gegenleistung - was waren auch Jobs: Krauss-Maffei Wegmann (KMW) habe im Rahmen eines Panzer-Geschäfts „eigens in der griechischen Hafenstadt Volos eine Tochterfirma gegründet; sie wurde mit der Montage von über 100 Panzern beauftragt.“ Wegen Gebens und Nehmens steht seit April auch Griechenlands Ex-Verteidigungsminister Akis Tsochatzopoulos vor Gericht: Er soll Millionen Schmiergeld für den Kauf deutscher U-Boote kassiert und mit Hilfe von 18 Verwandten und Mitarbeitern gewaschen haben.

„Heute kauft Griechenland nichts mehr, die meisten Panzer stehen rum“, sagt Jerry Sommer unter Verweis auf radikale Umstrukturierung beim griechischen Militär. http://zu.hna.de/rüstung278

Von Wolfgang Riek

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