Führende Politiker überlegen, was nach ihr kommen könnte

Angela Merkel wird 60 Jahre: Wie lange will sie noch regieren?

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Neun Jahre ist Angela Merkel schon Kanzlerin, morgen wird sie 60. Immer offener wird darüber spekuliert, wie lange sie noch Kanzlerin bleibt.

Berlin. Einen Tag vor dem 60. Geburtstag der Kanzlerin redet ganz Berlin über die Frage, ob und wann Angela Merkel ihr Amt als Bundeskanzlerin vorzeitig abgeben wird. Das tun nicht nur Journalisten. Sondern auch, höchst bereitwillig, Mitglieder des Kabinetts und Führungspersonal der CDU. Damit entfaltet die Sache eine eigene politische Kraft.

Amtsmüde ist Merkel augenscheinlich nicht. Ihr Arbeits- und Reisepensum ist hoch wie immer. Was man allerdings neuerdings registriert, ist eine gewisse Arroganz im Umgang mit Medien. Es gibt schon lange keine Hintergrundgespräche mehr, in denen sie ihre Politik zu vermitteln sucht, und die frühere Herzlichkeit ist glatter Routine gewichen. Man spürt, dass Merkel die Presse nicht mehr so wichtig für ihren Erfolg findet. So begann auch Helmut Kohls Abstieg.

Zeitleiste der Bundeskanzler

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Kohl konnte nicht von der Macht lassen und wurde 1998 abgewählt, als die Deutschen seiner überdrüssig waren. Merkel dagegen wolle selbstbestimmt abtreten, heißt es. Einer aus der CDU-Führung sagt: „Sie hält sich nicht für unentbehrlich, sie will nicht im Kohl-Tunnel enden.“ Aber, darauf weist man in der Union ebenfalls hin, die Lage sei anders als 1998. „Es gibt noch gar nicht wie bei Kohl das Gefühl, dass hier langsam etwas zu Ende geht“. Mindestens einmal könne die Kanzlerin noch antreten.

In der Union bangt man, denn im Moment ist Merkel eine Wiederwahlgarantie. Umgekehrt ist es bei den Sozialdemokraten, die unter Sigmar Gabriel wieder gut organisiert sind, aber in den Umfragen nicht vom Fleck kommen, solange Merkel amtiert.

Wäre ein fliegender Wechsel, etwa 2016, eine Möglichkeit? Amtsübergabe mitten in der Legislaturperiode an die jetzige Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen? Das ist die aktuelle Spekulation. Zwar würde die SPD als Koalitionspartner das wohl mitmachen. Doch in der Union wird darauf hingewiesen, dass von der Leyen sogar in der CDU nicht unumstritten ist, erst recht nicht bei der CSU, mit der man 2017 zusammen einen Kanzlerkandidaten aufstellen müsse. Streit aber könne die Macht gefährden.

In der engsten Führung der Sozialdemokraten hat man unterschiedliche Einschätzungen. Die eine Seite glaubt, Merkel werde aus Rücksicht auf den Machterhalt der Union weitermachen. Die andere traut ihr zu, dass sie auf dem Höhepunkt ihres Ansehens freiwillig geht. Sicher sei ein Wechsel jetzt schwierig, heißt es. Aber werde es nach einer Wiederwahl leichter? Tatsächlich hat noch nie ein Bundeskanzler freiwillig und kontrolliert die Macht abgeben.

Und dann ist da noch ein Faktor, den in Berlin erst recht niemand einschätzen kann: Das Private. Nach jetzigem Stand hört die Forschungsprofessur ihres Mannes Joachim Sauer an der Humboldt-Universität Ende 2017 auf. Sauer ist dann 68 Jahre alt, Angela Merkel 63. Haben beide noch einen anderen Lebensplan als das derzeitige Nebeneinander-her-Leben, welches das Staatsamt mit sich bringt? Gibt es gar, wie manche wissen wollen, eine geheime Verabredung, „dass dann endlich mal der Ehemann dran ist“? Oder spielt die Ehe keine so große Rolle? Angela Merkel hat vor einigen Tagen gesagt, dass sie „diese Legislaturperiode“ als Bundeskanzlerin weiterarbeiten wolle. „Und dann sehen wir weiter“. Vor der Wahl 2017 also gibt es eine Entscheidung.

Zur Person: Angela Merkel

• Geboren am 17. Juli 1954 in Hamburg, aufgewachsen in Brandenburg, wo ihr Vater als Pastor arbeitete.

• 1973 Abitur mit einem Notendurchschnitt von 1,0.

• 1977 Ehe mit dem Physiker Ulrich Merkel, Scheidung 1982.

• Nach dem Physikstudium bekommt Merkel 1978 eine Stelle an der Berliner Akademie der Wissenschaften. Dort promoviert sie und lernt ihren Ehemann, Chemiker Joachim Sauer, kennen.

• Ende 1989 Mitglied beim Demokratischen Aufbruch. Unter dem ersten frei gewählten DDR-Ministerpräsidenten Lothar de Maizière wird sie Vize-Regierungssprecherin.

• Von Kanzler Helmut Kohl gefördert, wird Merkel Frauen-, dann Umweltministerin, dann CDU-Generalsekretärin.

• Seit 2000 ist Merkel CDU-Vorsitzende, seit 2005 Kanzlerin, erst der großen Koalition, dann der schwarzgelben, und seit Dezember 2013 wieder der großen Koalition. (bli)

Von Werner Kolhoff

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